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Das Schulwesen (Gerhard Plath)

Quelle: Fahrdorfer Chronik von 1994, (S. 121-133) 

 


Die Volksschulbewegung im 19. Jahrhundert
"Doch gottlob! der Tag brach auch zu Haddebuy an, und immer höher sah ich, wenn freilich auch nur langsam, auch dort die Sonne der Erkenntnis steigen und die lange Dunkelheit verdrängen." Mit diesem Seufzer der Erleichterung blickt der Pastor J. F. Scholtz auf sein Werk der Schulverbesserungen zurück, für das er sich während seiner Amtszeit an der Kirche Haddeby von 1806 bis 1818 unermüdlich eingesetzt hatte. Am 14. August 1804 ergeht für die Propstei Gottorf ein landesherrliches Regulativ, das die Einrichtung von Distriktschulen anordnet. Doch es ist ein langer Weg, bis die Schulen ihre Tätigkeit aufnehmen können. Pastor Scholtz begründet die Verzögerung mit der geringen Bevölkerungszahl (1803: 188 Einwohner in Fahrdorf) und den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen, wonach die Schulen "nicht ohne schwere und harte Opfer, auch nur leidlich gut eingerichtet werden. Darum ließ man die alte Weise so lange als irgend es nur verantwortlich war fortdauern, und selbst als endlich der königliche Wille auch in dem Kirchspiel Haddebuy zur Ausführung sollte gebracht werden, so
geschah es ganz im Geiste unserer humanen Regierung: nach und nach!"
Außerdem muss der rührige Pastor aber auch die Uneinsichtigkeit, den Kindern eine schulische Ausbildung zu ermöglichen, und den Eigensinn der Kirchspielbewohner überwinden. Er findet die leidvolle Erfahrung seines Amtsvorgängers aus dem Jahre 1629 bestätigt: "Averst tho Haddebüe deit ein Jeder wat he will!"
Fahrdorf bildet zusammen mit Loopstedt einen Schuldistrikt, der Standort eines neuen Schulhauses und die Anteile an den Schul- und Lehrerkosten sind allerdings jahrzehntelang heftig umstritten. Der Beschluss zum Bau eines Schulhauses fällt in Fahrdorf 1815. Das hohe Kirchenvisitatorium bestimmt den Bauplatz, und im Jahr darauf wird das Schulhaus eingeweiht. Es enthält nur einen Klassenraum und eine Wohnstube, die sich der Lehrer Henning Thomsen, ein examinierter Seminarist,mit dem Dorfhirten teilen muss. Er kann sich infolgedessen keinen Hausstand einrichten herrschenden dänischen Einfluss im Lande. Mit dem Anschluss Schleswig-Holsteins an Preußen (1867) wird sich dieser allerdings beträchtlich ändern.
Im Zuge der preußischen Gesetzgebung kommt es 1872 zur Neuordnung des Schulwesens. In der "Allgemeinen Verfügung über Einrichtung, Aufgabe und Ziel der Preußischen Volksschule vom 15. October 1872" heißt es:
"Die einklassige Volksschule.
In der einklassigen Volksschule werden Kinder jedes schulpflichtigen Alters in ein und demselben Locale durch einen gemeinsamen Lehrer gleichzeitig unterrichtet. Die Zahl derselben soll nicht über achtzig steigen. In der einklassigen Volksschule erhalten die Kinder der Unterstufe in der Regel wöchentlich 20, der Mittel- und Oberstufe 30 Lehrstunden, einschließlich des Turnens für die Knaben und der weiblichen Handarbeiten für die Mädchen."
Unterrichtet wird in Fahrdorf in den Fächern folgende Wochenstundenzahl:
Unterstufe Mittelstufe Oberstufe
Religion 4    5             5
Deutsch 11 10            8
Rechnen 4   4             5
Singen   1    2             2
Zeichnen 0   1            2
Realien   0    6           6
Turnen    0    2           2
Handarbeit 0 2           2
Die preußische Regierung setzt zunehmend die Lehrer für Verwaltungsaufgaben ein. Der Fahrdorfer Lehrer muss das Vieh zählen (1872) und drei Jahre später auch die Einwohner. 187 4 erhält die Schule ihr erstes Thermometer, ein Ereignis, das besondere Erwähnung in der Schulchronik findet.
Eine Schulmatrikel aus dem Jahre 1875 liefert uns ein anschauliches Bild von der Fahrdorfer Schule:
Zum Schuldistrikt gehören:
" 1. die ganze Dorfschaft Fahrdorf