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2. die Dorfschaft Loopstedt
3. das Schlott
4. die Ziegelei
5. die Lund
6. Bullenberg".
zwei Lehrer unterrichten die 100 Kinder – ein Hauptlehrer und ein Präparand (Anwärter). Der Hauptlehrer unterrichtet die Kinder der Oberstufe und Mittelstufe (30 Stunden in der Woche). Der Präparand leistet seinen Dienst mit 20 Stunden pro Woche. Er übernimmt auch den Turnunterricht für die Jungen. Eine Lehrerin erteilt den Mädchen Handarbeitsunterricht für 48 M jährlich.
Die Schule selbst, ein Steinhaus mit Ziegeldach, birgt zwei Klassenräume von ca. 30 m2 Größe, die durch einen eisernen Torfofen beheizt werden.
Von der Oberklasse sind dem Präparanden sechs qm für ein kleines Stübchen abgetrennt. Neben dem Lehrerpult gehören jeweils 17 Schulbänke zur Ausstattung (Größe 2,38 x 0,29 m). Eine Gestelltafel sowie eine Lese- und eine Rechenmaschine vervollständigen die Klassenausstattung.
Folgende Gegenstände gehören zum Schulinventar:
Rheinische Lesetabellen, diverse Karten, ein Globus, zoologische Abbildungen, Bildertafeln mit heimischen Vögeln, aus der Physik und der Botanik, neue Maße und Gewichte, Zeichenvorlagen, Schreibtabellen, Schillings Schulatlas und eine kleine Gesteinssammlung. Hinzu kommen 1875 eine Geige, eine Bibel und ein Gesangbuch.
Der Lehrer bewohnt eine Wohnung von 61,08 m2 Größe. Auch landwirtschaftlicher Betrieb ist ihm ermöglicht: Zum Schulhaus gehören eine Dresch- ein Schwein sowie Lagermöglichkeiten für Torf, Heu und Stroh. Toiletten - Privat genannt- gibt es im nördlichen Teil des Gebäudes. Ausdrücklich wird erwähnt, dass ein Pissoir fehlt, dies wird dann 1905 gebaut. Vom 2200 m2 großen Garten ist eine Fläche von ca. 300 m2 abgetrennt und zum Turnplatz umgestaltet:
Zwei Barren, ein Reck, eine Kletterstange, zwei Klettertaue, eine Leiter, ein Sprunggestell, ein Balken zum Balancieren stehen dort zur Verfügung.
Im restlichen Schulgarten befinden sich ein Brunnen und ein Backhaus mit Pfannendach. Das Jahr 1875 bringt eine neue Bewertung der Lehrerstelle. Die Entlohnung erfolgt jetzt in Mark: 1050 M lautet das Ergebnis der Bewertung. Hinzu kommt die Verpflichtung des Lehrers, dem Präparanden gegen eine jährliche Vergütung von 300 M Kost und Lohn zu gewähren. Die Aufsicht über die Schule nimmt der Prediger als Localinspektor wahr, "Patron" ist der Probst des adligen St. Johannisklosters vor Schleswig. Auf Vorschlag des Localinspektors bestallt das Königliche Kirchenvisitatorium die zwei Schulvorsteher.
Das Jahr 1881 bringt einige einschneidende Veränderungen für die Schule. Der Lehrer S. Ehlert wird pensioniert, am 1. April tritt H. Andresen seinen Dienst an. Mit viel Elan widmet er sich der neuen Aufgabe. Heftig kritisiert er seinen Vorgänger und fertigt Versäumnisprotokolle. Er engagiert sich in der Gemeinde und übernimmt 1885 auch die Aufgabe des Feuerwehrhauptmannes der neugegründeten Feuerwehr Fahrdorf.
Die Schule wird nach einer Verfügung der Regierung wieder einklassig. 83 Kinder sind in das Schülerverzeichnis eingetragen. Die Bretterwand zwischen den beiden Klassenräumen wird entfernt, und alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet, der Klassenraum misst 8,85 m in der Länge und 7,65m in der Breite, er ist 3 m hoch. Auf einer Fläche von 67 m2 müssen sich zeitweilig bis zu 80 Kinder drängen! Lehrer Andresen beginnt mit systematischen Aufzeichnungen, er legt ein Schülerverzeichnis an, führt Lehrberichte und ein Protokollbuch.
Auch im Schulgebäude legt er Hand an, er übernimmt die Reinigung der Schule selbst und erledigt kleinere Reparaturen.

So preußisch wohlgeordnet durchlebt die Schule die Zeit bis 1918 - also die Zeit des Kaiserreichs. Der staatliche Einfluss auf die Schule nimmt zu. Andererseits hat die Schule ihren festen Stellenwert im Dorfleben und prägt das Gemeinschaftsleben, indem die Kinder Feierlichkeiten, wie das jährliche Kindervergnügen mit Umzug und Königsschießen, gestalten. Außerdem nimmt die Schule regen Anteil an den jährlichen Staatsfeiertagen (Geburtstag von Kaiser Wilhelm II., Sedanstag).
Die Schulkinder pflanzen Doppeleichen zum 50. Jahrestag der schleswig-holsteinischen Erhebung. Weihnachtsfeiern werden fester Bestandteil des Schullebens. Der Lehrer gewinnt in der Kaiserzeit gewaltig an Ansehen und ist eine geistig-moralische Autorität.
Mit zunehmender Dienstzeit kann Lehrer Andresen diesen hohen Ansprüchen jedoch nicht mehr gerecht werden. Er gerät zunehmend in Widerspruch zu den anderen Fahrdorfer Bürgern. 1889 beklagt er sich öffentlich darüber, dass im Orte zu wild gefahren werde und wildwerdende Pferde die Sicherheit gefährdeten. Auch sonst verhält er sich nicht so, wie man es von ihm erwartet. Er spielt Karten und vernachlässigt die Schule, hält sich zu oft im Dorfkrug auf und stellt den weiblichen Wesen des Dorfes nach - wahrlich kein vorbildlicher Lebenswandel mit der Folge, dass Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet werden.
Zwar wird unter seiner Amtszeit noch der neue Turnplatz eingerichtet, er sorgt für einige neue Lehrmittel, doch 1892 sind die Differenzen unüberbrückbar.
Andresen legt sein Amt nieder. Ein wechselvolles Kapitel der Fahrdorfer Schule ist damit abgeschlossen. Das Erziehungsziel der Schule ist, fromme, patriotisch- kaisertreue, autoritätsgläubige Staatsbürger heranzuziehen. Darum kommt auch dem Religionsunterricht hohe Bedeutung zu. Schulrat Saß vermißt 1887 bei allen Lehrern des Kirchspiels in Religion "die Wärme des Vortrags". Weiter kritisiert er "eine schläfrige, fast widerwillige Anerkennung der Autorität, eine entsetzliche sittliche Verwilderung bes. beim Gesinde, und das ungehörige Betragen von 13jährigen Knaben, die auf der Straße rauchen, die Alten duzen und die Mütze nicht ziehen. Artigkeit, Bescheidenheit und Achtung vor dem Alter soll der Lehrer erreichen."
Um dahin zu gelangen, wird auch die körperliche Züchtigung eingesetzt, allerdings preußisch reglementiert. Jede Schule führt ein "Straf-Protocoll", in das der Strafgrund und die Zahl der Schläge einzutragen sind. 1887 bestimmt ein Erlass, dass die Schläge auf ein Mindestmaß zu reduzieren und dass Mädchen möglichst zu verschonen seien. In der Praxis bleibt aber auch ihnen die körperliche Züchtigung nicht erspart.
Der Nachfolger von Lehrer Andresen, Emil Hermann, übernimmt eine vernachlässigte Schule, gibt ihr in den Folgejahren eine gewissen Stabilität zurück. Allerdings beklagt er die mangelnde Unterstützung der Schule durch die Eltern. Die Überzeugung, dass Schulbildung notwendig ist, scheint sich in Fahrdorf noch nicht durchgesetzt zu haben. Er unterstreicht in der Schulchronik die Erfahrungen, die Pastor Scholtz mit den Worten umschrieben hatte: "Man möchte fast glauben, dass die Gemeine auch in früherer Zeit fast immer hinter den übrigen Gemeinen des Vaterlandes in mancher Hinsicht zurückgeblieben ist."
Während seiner Dienstzeit wird eine kleine Schul- und Volksbibliothek eröffnet. Sie zählt 97 Bändchen, die gegen eine Gebühr von 2 Pf pro Band auszuleihen sind.
Im September 1894 tritt H. Brodersen seinen Dienst in Fahrdorf an. Das Jahr 1898 ist für die Lehrerschaft von besonderer Bedeutung. Die Besoldungsverhältnisse werden neu geregelt. Die jährlichen Einkünfte setzen sich zusammen aus  a)einem Gehalt von 1200 M, b) einer Alterszulage von 120 Mund c) einer von Fahrdorf gewährten persönlichen Zulage von 205 M. Zusätzlich liefert ihm die Kommune freie Feuerung.
Das neue Jahrhundert bringt der Schule wieder einen neuen Lehrer. Am 20. April 1900 wird der Lehrer Lorenzen eingesetzt. Jährlich finden zwei Visitationen statt: eine Schulprüfung durch die Kirche und eine Überprüfung durch den Kreisschulinspektor.
Die Kinderzahl geht im Jahre 1900 auf 64 zurück. Auch die Einwohnerzahl ist seit 1875 ( 444) erheblich zurückgegangen. Jetzt leben noch 377 Einwohner in Fahrdorf. 1905 erhält die Schule ein neues Abortgebäude, vier neue Fenster im Schulgebäude sollen die schlechten Lichtverhältnisse verbessern. Im Oktober 1906 löst Lehrer Christian Diederichsen H. Lorenzen ab, der nach Wankendorf wechselt. Einschneidend ist für die Schulentwicklung der Erste Weltkrieg. Die Reaktionen auf den Kriegsausbruch 1914 reichen von patriotischer Begeisterung bis zu einer gefassten Opferwilligkeit. Bald ist an eine geregelte Schularbeit nicht mehr zu denken. "Es gibt Wichtigeres!" heißt es in der Chronik. So wird in der Reichswollwoche die Schulstube zur Schneiderstube umfunktioniert, 'in der auch Frauen nach der Devise "aus alt mach neu" begeistert nähen und stricken. Die Kinder sammeln Altmetall, Frauenhaar, Akaziensamen, Bucheckern, Kastanien, Haselnussblätter, ja sogar Obstkerne. Alles kann man in den Kriegsjahren verwenden. Lehrer Diederichsen muss 1917 ins Feld ziehen. Ingwer Mordhorst, wohnhaft in Schleswig, übernimmt seine Vertretung. Die Schlei ist zugefroren, so dass er zu Fuß kommen kann, oder er muss den weiten Weg über Haddeby machen, später erhält er ein vollgummibereiftes Fahrrad. 1918 erreicht Fahrdorf die Nachricht, dass Christian Diederichsen gefallen ist. Das Militär konfisziert nun in Fahrdorf Nahrungsmittel, Hausdurchsuchungen nach Getreide häufen sich, Rinder müssen ans Militär abgeliefert werden, auch Heu, Korn und Kartoffeln. Die Fahrdorfer bekommen die Kriegsnöte nun voll zu spüren. Der Schwarzmarkt blüht, die Fahrdorfer leiden große Not, die auch nach dem Kriegsende kaum ein normales Leben, geschweige denn ein geregeltes Schulleben zulässt.

Demokratische Ansätze in der Weimarer Republik
Die Weimarer Republik setzt sich das Ziel, das Bildungssystem auf demokratischer Grundlage zu modernisieren. Am 27. November 1918 hebt ein Erlass die geistliche Schulaufsicht auf und erklärt die kriegsbedingte Hilfe der Schuljugend für beendet. Zwei Tage später wird die unbedingte Religionsfreiheit verfügt. Schulgebet und Schularbeiten in Religion sind abgeschafft. In der Weimarer Verfassung wird eine für alle gemeinsame vierjährige Grundschule verankert. Die Reichsschulkonferenz 1920 erörtert Ansätze für eine umfassende Reform, doch bleibt die bildungspolitische Erneuerung wegen der zunehmenden Wirtschaftsdepression, der Verschlechterung der politischen Verhältnisse und des Widerstandes der Länder in den Anfängen stecken.
Seit dem 27. Mai 1919 ist Ernst Holm Lehrer in Fahrdorf. Das in den Kriegsjahren vernachlässigte Schulgebäude bedarf einer dringenden Renovierung. Erst 1928 steht hierfür das Geld zur Verfügung.
Die Schulstube für die nunmehr 44 Kinder wird umgebaut, ein Lehrmittelraum abgetrennt. In den nächsten Jahren nimmt die Arbeitslosigkeit in der Gemeinde zu. Die Schule wird nur unzureichend mit Torf beliefert, Lehrer Holm vermutet Böswilligkeit seitens der Bewohner. Aber überall herrscht Not, die Höfe verschulden sich zunehmend, der Gemeinde fehlt das nötige Geld.

Der Zugriff des Nationalsozialismus
Wie überall gestaltet auch in Fahrdorf der Nationalsozialismus das Schulleben rücksichtslos um. Schon bald nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 setzen Erlasse als Schulziel fest: Zucht, Gehorsam, Einordnung in die Erziehungsgemeinschaft und willige Unterordnung unter die Autorität. Lehrer Holm hisst erstmals am Volkstrauertag 1933 die Hakenkreuzfahne auf dem Schulhaus, eine HJ-Abteilung bildet sich. Statt der gewohnten Weihnachtsfeier finden nunmehr Adventsfeiern
der NS-Frauenschaft statt. Bei der Schulprüfung 1936 fehlt das Fach Religion. Die körperliche Ertüchtigung und ideologische Ausrichtung der Jugend tritt in den Vordergrund und wird vorwiegend von der HJ ausgeführt. Der einzelne ist nicht mehr Partner im Bildungsprozess, er wird zum Gegenstand einer Politik, die nur nach seiner besten Einsatzfähigkeit zum Nutzen des Regimes fragt und ihn zum Träger der nationalsozialistischen Ideologie zu machen sucht. Bildungspolitik
zur Förderung einer eigenverantwortlichen Entfaltung der Persönlichkeit hat aufgehört. Lehrer Holm erlebt die schwere Kriegszeit in Fahrdorf bis 1942 und wird dann versetzt. Für eine kurze Übergangszeit unterrichtet Johannes Stert in Fahrdorf. Dann kommt ab Oktober 1943 der Lehrer Max Classen. Der Unterricht leidet darunter, dass die Schulkinder wieder wie im Ersten Weltkrieg Altmetall, Lumpen, Knochen und Wolle sammeln müssen. Im Laufe des Krieges wird das Heizmaterial so knapp, dass ein Unterricht in den unterkühlten Räumen nur zeitweise möglich ist. In den letzten Kriegswochen ist schließlich für Lehrer Dauß, ein sogenannter Flüchtlingslehrer aus Ostpreußen, kein Unterricht mehr möglich, weil die Schule von Wehrmachtseinheiten besetzt ist.