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Die Aufbauphase nach dem Krieg
Erst am 20. August 1945 wird die Grundschule wieder geöffnet, die Schüler der Oberstufe dürfen vom 12. Dezember 1945 an wieder Unterricht erhalten. Lehrer Karl Dauß übernimmt die Schulleitung, als Max Classen im Zuge der Entnazifizierungsmaßnahmen abberufen wird. Doch was und wie soll unterrichtet werden, ja wer soll unterrichten?
Im besetzten Deutschland besteht keine zentrale Gewalt, die für einen Wiederaufbau des Bildungssystems hätte sorgen können. Es ist Aufgabe der Länder, oft auch der Gemeinden, Schulen wieder in Betrieb zu nehmen, andere Lerninhalte als in der Zeit des Dritten Reiches festzulegen und durch den Nationalsozialismus unbelastete Lehrer zu beschäftigen. Häufig geschieht dies unter Rückgriff auf die Vorstellungen der Weimarer Republik. In Abstimmung mit der englischen Besatzungsmacht ergeht am 18. Juli 1945 die erste Anweisung an die Lehrer: Es ist verboten, im Unterricht den Militarismus zu verherrlichen, die NS-Lehre zu verbreiten oder zu rechtfertigen oder ihre Leistungen herauszustellen, auf Rassen- und Religionsunterschiede hinzuweisen und gegen die Vereinten Nationen oder den Weltfrieden zu sprechen.
Die körperliche Ertüchtigung darf nicht als militärische Vorübung missbraucht werden. Wer hiergegen verstößt, wird sofort aus dem Dienst entlassen. Die NS-Bücher sind verboten, notfalls soll ohne Bücher unterrichtet werden. Ein Erlass vom 1. August 1945 greift auf die alten Werte zurück: Der wieder eingeführte freiwillige Religionsunterricht soll helfen, "vom Unglauben der nationalsozialistischen Gewaltzeit, als man den Menschen mehr gehorchte denn Gott," abzukehren.
Das Leitwort der letzten zehn Jahre "Jugend erzieht Jugend" gilt nicht mehr. Im Hause sollen die Eltern, in der Schule der Lehrer regieren, und beide gemeinsam sollen sie Zuchtlosigkeit der letzten Jahre zu überwinden suchen.
Das Schulziel in der Nachkriegszeit ist hochgesteckt, denn Schule und Lehrerschaft haben in den 13 Jahren der NS-Herrschaft viel an inneren Werten verloren. Ihre Aufgabe, Kinder auf das Leben vorzubereiten, war ausgehöhlt worden, ihr Ansehen untergraben. Und wie sollte überhaupt ein ordnungsgemäßer Unterricht stattfinden, wenn die Klassen überfüllt sind, wenn jegliches Unterrichtsmaterial fehlt? Ein strenger Winter 1946/47 legt den Unterricht weitgehend lahm: Die Kinder
erhalten täglich neue Hausaufgaben, liefern ihre gemachten Aufgaben ab und dürfen wieder nach Hause gehen. 89 Kinder besuchen 1947 die Schule, und endlich fällt der Beschluss, eine zweite Lehrerstelle einzurichten. Es findet sich jedoch kein angemessener Wohnraum in Fahrdorf, so dass Lehrer Heinrich wenige Monate nach seinem Dienstantritt nach Jübeck zurückversetzt wird. Auch die Kinder leiden sehr unter der allgemein herrschenden Not. Schwächliche, kränkliche und abgemagerte Schülerinnen und Schüler hat Lehrer Dauß zu unterrichten. Abhilfe schafft die von den Alliierten ins Leben gerufene Hoover-Schulspeisung (1947-1950) mit 350  Kalorien je Mahlzeit gegen eine Selbstbeteiligung von 25 Pf, für Fürsorgeempfänger 10 Pf. In der Waschküche der Schule wird die Speisung zubereitet. Auch die Freude über die Weihnachten 1946 von den Engländern verteilte und so lange entbehrte Schokolade ist riesengroß. Die Zahl der Kinder steigt
weiter (97), so dass dringend die zweite Lehrerstelle besetzt werden muß. Lehrer Gude bezieht ein Zimmer in Loopstedt, Mittagessen erhält er bei Fahrdorfer Bauern. Allmählich normalisiert sich der Schulalltag. Weil für den zweiten Lehrer in Fahrdorf immer noch kein angemessener Wohnraum vorhanden ist, beschließt die neu gewählte Gemeindevertretung 1948 den Anbau eines zusätzlichen Klassenraumes. Man möchte nicht zu den rückständigsten Gemeinden im Lande gehören. 1959/60 vergrößert ein weiterer Anbau für die Wohnung des Lehrers Dauß den Gebäudekomplex. Der Anschluss an die Kanalisation 1950, der Einbau einer Wasserspülung in den Toiletten und die Ölzentralheizung (1960) modernisieren das Gebäude. 1961 wird die Fahrdorfer Schule dreiklassig mit 88 Schülern, in Borgwedel besuchen 40 Schüler die dortige Schule, zusammen eine gute Grundlage für eine gemeinsame Schule.