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Die Kirche im 20. Jahrhundert

Die Aufzeichnungen von Pastor Boysen (1909-1914) über den Kriegsausbruch 1914 geben einen Eindruck davon, wie wichtig dem Kaiser die Unterstützung der Kirche für den bevorstehenden Waffengang war, von dem niemand erwartete, dass er vier Jahre andauern und den Familien unglaubliches Leid bringen würde: Am 5. August 1914 fand auf Anordnung des Kaisers ein Betgottesdienst mit 400 Gemeindemitgliedern statt, die mit 30 M Klingelbeutelgeld und 111 M Kollekte für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer eine bis dahin unbekannte Spendenfreudigkeit zeigten. Mit zunehmender Dauer des Krieges und mit weiteren Opfern ließ sie jedoch deutlich nach.
Auch 1918 gab es mit Pastor Radeke (1915-1935) einen Geistlichen, der politischen Einfluß auf seine Gemeindemitglieder ausübte: Er bewertete, getrieben von seiner Sympathie für die alte Ordnung, die einzelnen Parteiprogramme der für die Nationalversammlung kandidierenden Parteien und deren Aussagen zur Kirche von der Kanzel aus. Eine Anzeige und scharfe Mahnungen des Schleswiger Soldatenrates hielten ihn jedoch nicht davon ab, am Wahltag, dem 19. Januar 1919, 1000 Flugblätter mit der Mahnung "Deine Kirche ist in Gefahr" zu verteilen. Die Folgen dieses Handelns sind nicht dokumentiert. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus ging der Einfluss der Kirche weiter zurück. Die fragwürdige Rolle eines Teils der Geistlichkeit und ihre Unterstützung des Systems in dieser Zeit lässt sich für den Haddebyer Pastor Georg Christian Asmussen (1935-1952) nicht belegen. Im Gegenteil spricht er in seinen Aufzeichnungen über diese Zeit von dem "Terror der Partei", von einer "hemmungslosen lügenhaften Propaganda" oder von "bösen Existenzen an leitender Stelle" unter Bezug auf die SS-Truppe 'Großdeutschland'. Wörtlich heißt es: "Aber der Zusammenbruch und die Auflösung waren da. Gott sei Dank, dass die Kapitulation noch zustande kam, bevor der offenbar bereits angesetzte Luftangriff auf Schleswig und Flensburg zur Ausführung kam."
Sehr viele Kirchenmitglieder scheinen sich von der Gemeinde jedoch nicht abgewendet zu haben, obwohl eine zunehmende Distanzierung auch von Pastor Asmussen registriert wurde. Besonders Lehrer hielten dem öffentlichen Druck nicht stand und erklärten ihren Kirchenaustritt.

"Der britische Rundfunk machte bekannt, wir Deutschen sollten hungern und frieren. Und dieses politische Programm hat man dann planmäßig verfolgt, allen frommen und humanen Reden zum Trotz. So ging das Vertrauen zum englischen Volk vollkommen dahin. Und doch ist ein Lichtpunkt in diesem traurigen Blick, das große Hilfswerk der Weltkirchen. Wenn auch dadurch der großen Not nicht gesteuert werden kann, so spürt man doch etwas von dem Geist Christi. Dass aber unsere Zeit einen stark eschatologischen Charakter hat, scheint mir sowohl durch die weltgeschichtlichen Ereignisse, als auch durch die ökomenische Bewegung bezeugt." 
1954 setzten erste Überlegungen zur Schaffung einer zweiten Pfarrstelle für den Bereich Haddeby Ost ein, da die Bewohnerzahl in den Gemeinden in der Nachkriegszeit durch den Zuzug von Flüchtlingen stark angestiegen war und somit eine ausreichende Betreuung der Gemeindemitglieder durch nur einen Pastor (Hartwig Alsen 1952-1956) nicht sichergestellt werden konnte. Die Zustimmung des Kirchenvorstandes war jedoch (noch) nicht zu erwirken (Abstimmungsergebnis 8:7), obwohl der Probst und das Landeskirchenamt entsprechende Bemühungen unterstützten. 1955 musste das Kirchengebäude grundlegend restauriert werden. 1958 folgte die Errichtung einer Glocke im Pastoratsgarten in Busdorf. Drei Jahre später lebten die Überlegungen zum Bau eines Pastorats in Fahrdorf wieder auf. Die zweite Pfarrstelle in Haddeby-Ost, zuständig für die Gemeinden Fahrdorf, Borgwedel, Stexwig, Geltorf, Lottorf und Selk, wurde eingerichtet und mit Pastor Irmin Barth besetzt, der zwischenzeitlich auch den pensionierten Pastor Warnke vertrat.