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Geschichtliche Entwicklung Teil I  (Wilhelm Wessling)

Quelle: Fahrdorfer Chronik von 1994, (S. 9-39) 

 


2.1 Entstehung und Struktur der Landschaft
Erdgeschichtlich betrachtet ist die Landschaft Schleswig-Holsteins jung. Prägend für die heutige Landschaftsgliederung waren die drei letzten Eiszeiten der vergangenen 600 000 Jahre. Von Skandinavien ausgehend, überzogen gewaltige Gletscher dreimal ganz Nordwesteuropa. Dabei führten die Eismassen auf ihrem Jahrtausende währenden Weg riesige, aus dem Untergrund gelöste Mengen an Gestein, Kies und Sand (Geschiebe) mit sich. Beim Abschmelzen des Eises in den Warmzeiten lagerten sie sich als Moränen ab. Eismassen bildeten auch die Schlei als Schmelzwasserrinne aus. Die Gletscher der letzten Eiszeit waren in unserer Gegend schätzungsweise 800 m dick. Sie drangen nur noch bis zur Linie Flensburg - Rendsburg - Ahrensburg (Mittelrücken) vor und hinterließen hier ihre Spuren. Der Schleigletscher stieß als eine der großen Eiszungen nach Westen vor und formte die innere Schlei sowie das Haddebyer und Selker Noor aus. Als das Eis schmolz, gaben zurückgebliebene Schutt- und Geröllmassen unterschiedlicher Art dem Fahrdorfer Gebiet den Charakter einer typischen Endmoränenlandschaft. Hier stößt man auf die als Findlinge bekannten gerundeten Steinbrocken, denen in alter Zeit große Bedeutung als Baumaterial zukam. Der abgelagerte Flintstein bildete das Material, aus dem später Pfeilspitzen, Äxte und andere Steinwerkzeuge hergestellt wurden.
Im Boden zunächst verbliebene und mit Sand und Schutt bedeckte Eisblöcke (Toteis) ließen hier nach ihrem Abschmelzen Senken zurück, in denen sich das Wasser aufstaute. In diesen Senken bildeten sich Moore wie das Esprehmer Moor, das später den auch für Fahrdorf wichtigen Brennstoff Torf lieferte. Zunächst bedeckte eine baumlose Tundra das Land. Sie bildete die Nahrungsgrundlage für große Rentierherden. Von ihnen lebten wiederum die nachziehenden Rentierjäger. Nach und nach entstand ein urwaldähnlicher Eichenmischwald,der auch die Fahrdorfer Gemarkung bis etwa 3000 v. Chr. weitgehend bedeckt haben dürfte. Jäger und Sammler fanden nun hier ihre Lebensgrundlage.