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Geschichtliche Entwicklung Teil I  (Wilhelm Wessling)

Quelle: Fahrdorfer Chronik von 1994, (S. 9-39) 

 


2.1 Entstehung und Struktur der Landschaft
Erdgeschichtlich betrachtet ist die Landschaft Schleswig-Holsteins jung. Prägend für die heutige Landschaftsgliederung waren die drei letzten Eiszeiten der vergangenen 600 000 Jahre. Von Skandinavien ausgehend, überzogen gewaltige Gletscher dreimal ganz Nordwesteuropa. Dabei führten die Eismassen auf ihrem Jahrtausende währenden Weg riesige, aus dem Untergrund gelöste Mengen an Gestein, Kies und Sand (Geschiebe) mit sich. Beim Abschmelzen des Eises in den Warmzeiten lagerten sie sich als Moränen ab. Eismassen bildeten auch die Schlei als Schmelzwasserrinne aus. Die Gletscher der letzten Eiszeit waren in unserer Gegend schätzungsweise 800 m dick. Sie drangen nur noch bis zur Linie Flensburg - Rendsburg - Ahrensburg (Mittelrücken) vor und hinterließen hier ihre Spuren. Der Schleigletscher stieß als eine der großen Eiszungen nach Westen vor und formte die innere Schlei sowie das Haddebyer und Selker Noor aus. Als das Eis schmolz, gaben zurückgebliebene Schutt- und Geröllmassen unterschiedlicher Art dem Fahrdorfer Gebiet den Charakter einer typischen Endmoränenlandschaft. Hier stößt man auf die als Findlinge bekannten gerundeten Steinbrocken, denen in alter Zeit große Bedeutung als Baumaterial zukam. Der abgelagerte Flintstein bildete das Material, aus dem später Pfeilspitzen, Äxte und andere Steinwerkzeuge hergestellt wurden.
Im Boden zunächst verbliebene und mit Sand und Schutt bedeckte Eisblöcke (Toteis) ließen hier nach ihrem Abschmelzen Senken zurück, in denen sich das Wasser aufstaute. In diesen Senken bildeten sich Moore wie das Esprehmer Moor, das später den auch für Fahrdorf wichtigen Brennstoff Torf lieferte. Zunächst bedeckte eine baumlose Tundra das Land. Sie bildete die Nahrungsgrundlage für große Rentierherden. Von ihnen lebten wiederum die nachziehenden Rentierjäger. Nach und nach entstand ein urwaldähnlicher Eichenmischwald,der auch die Fahrdorfer Gemarkung bis etwa 3000 v. Chr. weitgehend bedeckt haben dürfte. Jäger und Sammler fanden nun hier ihre Lebensgrundlage.

 

 


2.2 Vor- und Frühgeschichte

Aus der Altsteinzeit und Mittleren Steinzeit, die den Zeitraum von 150000 bis 3500 v. Chr. umfassen, sind in Fahrdorf keine Funde bekannt. Zahlreiche Grabhügel der sich anschließenden Jungsteinzeit und Bronzezeit, aber auch vielfältige Werkzeug- und Waffenfunde aus Flintstein zeugen von erster Besiedlung vor etwa 5000 Jahren. Aus Splitterfunden des Fahrdorfer Grundstücks Fährheit 4 schließen Archäologen, dass sich hier möglicherweise ein Flintstein-Bearbeitungsplatz, sozusagen eine jungsteinzeitliche Schmiede befunden hat. Wie in anderen Landesteilen dürfte in unserer Gegend mit dem für die Jungsteinzeit typischen Flintbeil und Feuer die Rodung des Waldes begonnen haben. Aus Jägern und Sammlern wurden die ersten sesshaften Fahrdorfer Bauern, die von Ackerbau und Viehzucht lebten. Sie hatten ihre Siedlungen nicht unmittelbar am Wasser der Schlei, sondern überwiegend auf den leichter nutzbaren Flächen südlich der Bundesstraße 76 in Fahrdorffeld.
Unsere Neugierde nach dem Aussehen der damaligen Menschen können wir kaum befriedigen. Wir wissen hingegen, dass ihre Lebenserwartung zwischen 20 und 22 Jahren lag. Ihre Toten bestatteten sie möglichst auf Erhebungen in bis zu 50 m im Durchmesser erreichenden Grabhügeln. Diese Groß- oder Megalithgräber dienten als Familiengräber. Für das Leben im Jenseits legte man Proviant und entsprechend der gesellschaftlichen Stellung der Verstorbenen Waffen und Schmuck bei. Die Wohnstätten der Menschen lagen ganz in der Nähe, um mit den Toten in Verbindung zu bleiben. Über 80 Fundstellen aus vorgeschichtlicher Zeit auf Fahrdorfer Gemeindegebiet belegen eine ausgeprägte Besiedlung, die etwa 3500 v. Chr. begann.
Nach und nach verwandelten die Menschen die urwaldähnliche Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft. Der Anbau der ersten Kulturpflanzen wie Nacktgerste sowie der Weizenarten Einkorn und Emmer begann. Mehr als 90% der in Speiseabfällen gefundenen Knochen stammen von Haustieren, darunter Schwein und Rind, und lassen Aussagen über die Tierhaltung zu. Auch in der nachfolgenden Bronzezeit ab 1600 v. Chr. änderte sich an dieser wirtschaftlichen Grundlage nichts. Allerdings kamen gebrauchstüchtigere Gerätschaften und Waffen aus Metall hinzu. Rein äußerlich unterschieden sich die Begräbnisstätten der Steinzeit häufig nicht von denen der Bronzezeit. Die Bestattungsformen änderten sich allerdings. Der steinzeitliehen Beisetzung in Grabkammern aus Findlingen folgte die bronzezeitliche Bestattung in Baum- oder Bohlensärgen. Noch während der Bronzezeit setzte sich ab 1100 v. Chr. zunehmend die Leichenverbrennung und Bestattung in Urnen (Brandbestattung) durch. Von den vormals 38 urgeschichtlichen Fahrdorfer Grabhügeln ist nur noch ein kleiner Teil erhalten. Zur Gewinnung von Baumaterial wurden alle bekannten Grabkammern der Großsteingräber ausgebrochen. Der Schleswiger Lehrer Osewald, dem wir umfassende Aufzeichnungen aus dem Jahre 1942 verdanken, überliefert Berichte, wonach die Steine von vier Gräbern beim Bau des Haddebyer Damms Anfang des 19. Jahrhunderts Verwendung fanden. An anderer Stelle schreibt er, dass bei "Aufräumungsarbeiten" ein Pferd durch die Decke in eine Grabkammer stürzte. Ungesicherten Aussagen zufolge sollen nach dem Zweiten Weltkrieg zwei vorzeitliche Gräber als "Bauschutt" zur Geländeaufschüttung einer Fahrdorfer Tankstelle gedient haben. Heute beschleunigt das Überpflügen mit modernen Maschinen den Einebnungsprozess von Grabhügeln sehr stark. Ein überpflügtes Grab wird jährlich etwa 2 cm niedriger. Ein Teil der noch vorhandenen Grabhügel steht heute unter Denkmalschutz, so der markante Dreehü. Funde aus Grabanlagen Fahrdorfs sind in verschiedenen Museen zu bestaunen. Bereits 1835 schickte der Kapitän Reinhardt bronzezeitliche Funde aus der Nähe des Ortsteiles Loopstedt an das dänische Nationalmuseum.
Im Jahre 1962 wurde im Zuge einer Feldwegbegradigung unter Aufsicht von Wissenschaftlern des Landesamtes für Denkmalschutz ein bronzezeitlicher Grabhügel in Fahrdorffeld ausgewertet. Der u.a. hierbei gefundene spiralförmige Goldfingerring - eine typische männliche Grabbeigabe - sowie zahlreiche Werkzeuge und Waffen aus Flintstein anderer Fahrdorfer Fundstellen befinden sich im Landesmuseum auf Schloß Gottorf in Schleswig.
Nachdem die Kunst der Eisenverarbeitung in den europäischen Norden vorgedrungen war, erfolgten etwa ab 500 n. Chr. die Gewinnung und Verarbeitung einheimischen Sumpf- und Raseneisenerzes. Damit begann hier die Eisenzeit. In der Nähe der Lagerstätten der Geest, aber auch in anderen Fundorten wurde das Eisen in Brennöfen verhüttet und das gewonnene Roheisen zur Weiterverwendung als Schmiedeeisen im ganzen Land benutzt. Auch im Bereich Fahrdorf befinden sich Fundstellen der Eisenverarbeitung. Vergleichsweise sind sie aber spärlich und lassen auf eine dünnere Besiedlung als in der vorangegangenen Bronzezeit schließen.
Zu der Zeit lebten hier Germanen, wie sie der römische Schriftsteller Tacitus beschrieben hat. Eine Vorstellung können wir uns von diesen Menschen bilden, wenn wir im Schloß Gottorf die Moorleichenfunde u.a. aus Windeby bei Eckernförde betrachten. Eines ihrer Stammesheiligtümer mit interessanten Funden lag im Thorsberger Moor bei Süderbrarup in Angeln. 

Um 400 n. Chr. setzte die Völkerwanderung ein. In ihrem Gefolge wanderte die hiesige Bevölkerung, die germanischen Stämme der Angeln und Sachsen, aus. Das Land wurde zunehmend menschenleerer. Um 600 n. Chr. erreichten aus dem Norden kommend "nachrückende" dänische Einwanderer die Schlei.


2.3 Die Wikinger in Haithabu und Fahrdorf

Ins volle Licht der Geschichte tritt unsere Gegend zur Zeit Karls des Großen (768-814). Sein Biograph Einhard schreibt in seinen Annalen: Im Jahre 804 sei der Dänenkönig Göttrik mit seiner Flotte und seiner gesamten Reiterei an einen Ort namens Sliesthorp im Grenzgebiet seines Reiches und Sachsens gekommen; vier Jahre später habe er den Handelsplatz Reric in Mecklenburg zerstört und die Kaufleute von dort nach Sliesthorp umgesiedelt. Ferner habe er beschlossen, die Grenze seines Reiches gegen die Sachsen durch einen Wall zu sichern.
Dieser Grenzwall, das nach den Dänen benannte Danewerk, entstand als Sperriegel an der Landenge zwischen Hollingstedt in der Eider- und Treeneniederung im Westen und Schleswig an der Schlei im Osten. Hier ließen sich alle Bewegungen auf der uralten Nord-Süd-Verbindung, dem "Heerweg", hervorragend kontrollieren. Diese Grenzlinie zwischen dem Fränkischen Reich und dem Dänemark des Mittelalters ist in den folgenden Jahrhunderten häufig umkämpft worden. Runensteine,
zu Ehren gefallener Krieger gesetzt, geben hiervon Zeugnis. Bis zum letzten deutsch-dänischen Krieg im Jahre 1864 behielt die "Chinesische Mauer des Nordens" ihre militärische Bedeutung und selbst im Zweiten Weltkrieg wurde sie teilweise zur Panzersperre ausgebaut. Bestimmend im Schleswiger Land wurde seit Beginn des 9. Jahrhunderts das aufblühende Sliesthorp. So nannten es jedenfalls die Deutschen. Haithabu oder Hedeby (Heideort) hieß es im Gegensatz dazu bei den Dänen. Die wirtschaftliche Lebensader, der Hafen mit seinen Palisaden, Schiffsstegen und Landungsbrücken lag auf heutigem Fahrdorfer Gebiet, da die Gemeindegrenze am westlichen Ufer des zu Fahrdorf gehörenden Haddebyer Noores verläuft.
Nach langjähriger Vorbereitung erfolgten den Jahren 1979-80 die Bergung eines Wikingerschiffes und eine Hafenuntersuchung. Im Wikingermuseum Haithabu werden die schwierigen Bergungs- und Untersuchungsarbeiten sowie Funde von internationaler Bedeutung in eindrucksvoller Weise präsentiert. Ein Teil unserer Geschichte ist damit seit 1985 in diesem Museum nachvollziehbar. Die Voraussetzungen für die Entstehung der Siedlung lagen in der intensiven Beziehung Nordeuropas zum Reich Karls des Großen. Exzellente Standortbedingungen, günstige politische Umstände und ein starker Aufschwung von Handel, Handwerk und Verkehr ließen Haithabu zum zentralen Fernhandelsplatz im Warenverkehr zwischen West-, Nord- und Osteuropa aufsteigen.
Während des überwiegenden Teils seiner Geschichte gehörte Haithabu zum dänischen Herrschaftsgebiet. Nur von 934-983 bestand faktisch eine deutsche Oberherrschaft über die Stadt. Durch eine nahezu hundertjährige, internationale Forschungstätigkeit liegen fundierte Kenntnisse über diese älteste frühmittelalterliche Hafenstadt im Norden Europas vor. Zur Blütezeit besaß Haithabu rund 1000 Einwohner und galt damit bei den Zeitgenossen als große Stadt, in der mehrere Sprachen gesprochen wurden. Die Einwohnerschaft, Dänen, Friesen, Sachsen, Slawen, kann man für die damalige Zeit als international, die Hafenanlagen als modern bezeichnen.
Aufgrund seiner Bedeutung war Haithabu Reiseziel für Menschen aus fernen Ländern. Über seinen Besuch in Haithabu im Jahre 965 schreibt der arabische Kaufmann und Diplomat Al-Tartuchi aus Tortosa in Spanien: "Schleswig ist eine sehr große Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres ... Ihre Bewohner sind Siriusanbeter, außer einer kleinen Anzahl, welche Christen sind, die dort eine Kirche besitzen ... Nie hörte ich einen häßlicheren Gesang als den der Schleswiger, und das ist ein Gebrumm, das aus ihren Kehlen herauskommt, gleich nach dem Gebell der Hunde, nur noch viehischer als dies. " Über das Scheidungsrecht
schreibt er: "Das Weib scheidet sich selbst, wann es will."
In dieser dem Araber seltsam anmutenden Handelsstadt setzte im Jahr 811 eine rege Bautätigkeit ein. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts umgab man das 24 ha große Siedlungsgelände mit einem noch heute gut sichtbaren halbkreisförmigen Wall. Mittels eines Verbindungswalls erfolgte eine Einbeziehung in das Danewerk. Der Hafen wurde durch Palisaden gesichert. Abgesehen vom Hafen liegen konkrete Aussagen über die Ausstrahlung Haithabus auf die Fahrdorfer Gemarkung nicht vor. Die Stadt dürfte aber auch für die nähere Umgebung ein wichtiger Marktplatz gewesen sein. Es ist auch schwer vorstellbar, dass das der Hafenstadt gegenüberliegende Loopstedter Ufer ungenutzt blieb. So könnte an der "Einfahrt" von der Schlei in das Haddebyer Noor zumindest ein Wachtturm gestanden haben. Vielleicht hält die Zukunft für uns noch einige Überraschungen bereit, wie die kürzliche Entdeckung von Sperranlagen in der Schlei bei der Stexwiger Enge. Auch die Entdeckung von Siedlungsresten ist vorstellbar. Sollen doch im 18. Jahrhundert auf dem Gelände oberhalb des Noor-Wanderweges Reste einer burgähnlichen Wallanlage zu sehen gewesen sein.
Das Haddebyer Noor war damals noch ein frei zugänglicher Wasserarm der Schlei, die West-Ost-Landverbindung umging das Haddebyer und Selker Noor im Süden. Eine Abkürzung kann jedoch auch über Fahrdorfer Gebiet verlaufen sein, da aufgrund des etwa 1 m niedrigeren Noorwasserspiegels eine Durchquerung der Furt zwischen dem Haddebyer und Selker Noor möglich war. Dafür sprechen auch die Hohlwege, die am östlichen Noorufer zum Land hinaufführen.


Die Anfänge der Christianisierung Nordeuropas

Außer für den Fernhandel spielte Haithabu auch eine bedeutende Rolle für die Christianisierung Nordeuropas. Um 850 erhielt Ansgar, der "Apostel des Nordens", die Erlaubnis, in Haithabu eine Kirche zu bauen und christliche Gottesdienste abzuhalten. Durch den Gebrauch einer Glocke fühlten sich die heidnischen Bewohner der Stadt allerdings provoziert. Das Läuten wurde daher vorübergehend untersagt. Für die Heiden standen die drei Gottheiten Odin, Thor und Freya an der Spitze des Götterhimmels. Thor erschien als eine Gottheit so recht nach ihrem Idealbild: als treuherziger Menschenfreund, der auch das Kampfgetöse liebte und mit vernichtender Kraft seinen Hammer schwang. Christliche Nächstenliebe hatte es da schwer, sich als neue Grundeinstellung durchzusetzen. Johannes von Schröder mag daher recht haben, dass das 30 Pfund schwere Stück einer Glocke, welches 1710 im Moor bei Loopstedt gefunden wurde, von den Heiden seinerzeit dort versenkt worden ist. Nach großen Missionierungsrückschlägen erfolgte 948 gleichzeitig die Gründung von Bistümern in Haithabu, Ribe und Aarhus. Um 965 ließ sich der dänische König Harald Blauzahn taufen. Damit gehörte Dänemark formal zum christlichen Abendland. Aus dieser zweiten Missionierungsperiode um 950 stammt eine Kirchenglocke, die 1978 im Hafenbereich Haithabus geborgen wurde. Sie ist die älteste, vollständig erhaltene Läuteglocke Nordeuropas und damit eines der wertvollsten Fundstücke Haithabus. Möglicherweise in Haithabu gegossen, ist sie geradezu ein Symbol für die Christianisierung Skandinaviens, die
von Haithabu im 9. Jahrhundert ihren Ausgang nahm. Untergang und Wiederentdeckung Haithabus 1050 brandschatzten norwegische Wikinger unter ihrem König Harald dem Harten die Stadt. In einer altnordischen Skaldenstrophe, zu finden im Wikingermuseum Haithabu, liest sich diese Tat so:

"Von einem End zum anderen

Ausbrannt Hed' by grause

Wut des Streites, stattlich
Schein die Großtat, mein ich.
Arg Svend sollt sich ärgern.
Ich faßt vor dem Zwielicht
Fuß schon auf der Feste;
Flamm, hoch, vom Dache lohte."

1066 vernichtete ein Wendenheer den Ort endgültig und Haithabu versank im Dunkel der Geschichte. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann seine archäologische Wiederentdeckung. Nach den großen Ausgrabungen der Siedlung in den dreißiger und sechzig er Jahren erbrachten die bereits erwähnten Untersuchungen im Hafenbereich von 1979 und 1980 außerordentlich bedeutende Forschungsergebnisse. Von großem Vorteil war, dass Siedlung und Hafen über nahezu 900 Jahre praktisch unberührt lagen. Heute ist der ehemalige Hafen der besterforschte Deutschlands.


2.4 Fahrdorf und das Schleswiger St. Johanniskloster

Die Geschichte Fahrdorfs ist untrennbar mit dem Schleswiger St. Johanniskloster verbunden. Die Suche nach den ersten schriftlichen Spuren Fahrdorfs führt uns daher in dessen Archiv, das jetzt im Schleswig-Holsteinischen Landesarchiv aufbewahrt wird. Hier befinden sich die umfangreichsten Quellen über unsere Gemeinde bis ins späte 19. Jahrhundert hinein. Nach dem Niedergang Haithabus stieg im 12. Jahrhundert das heutige Schleswig zu einem Herrschafts- und Handelszentrum auf. Es verlor zwar im 13. Jahrhundert seine Fernhandelsfunktion an Lübeck, wurde jedoch Mittelpunkt eines erstarkenden Herzogtums und Bischofssitz, also religiöses Zentrum. Hier befand sich auch das Michaeliskloster der Benediktiner. Als Doppelkloster für Mönche und Nonnen angelegt, geriet es Ende des zwölften Jahrhunderts in sittlichen Verfall, so dass es der Bischof um 1190 aufhob. Den zehn Nonnen wies er wahrscheinlich 1194 eine neue Heimstätte auf dem Holm (Insel) vor Schleswig zu. Sie vollendeten dort zuerst die bestehende Kirche und weihten sie Johannis dem Täufer.
Die wirtschaftliche Grundlage des Klosters war zu Beginn schwach. So mussten nach einem großen Brand im Jahre 1299 mehrere Bischöfe bewogen werden, zur Geldbeschaffung Ablassverkündigungen zu erteilen. 1329 galt es, dafür "Sorge zu tragen, daß die Nonnen dem öffentlichen Anblick entzogen würden; und nach Entfernung aller Gelegenheit zur Zuchtlosigkeit desto eifriger ihre Herzen und Körper in aller Heiligkeit bewahren könnten".
Erst ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts besserte sich die finanzielle Situation, da das Kloster durch Stiftungen und Spenden aus dem Adel und dem Bürgertum nach und nach zu ansehnlichem Landbesitz kam. Zu diesem Landbesitz gehörte auch das Fahrdorfer und Loopstedter Gebiet, das heute die Gemeinde Fahrdorf umfasst.


Erste urkundliche Erwähnung

Wann genau die Fahrdorfer und Loopstedter Gemarkungenin den Besitz des Klosters gelangten, ist unbekannt. Es ist aber anzunehmen, dass dies vor der Reformation erfolgte. Die erste urkundliche Erwähnung Loopstedts findet sich als Lopstede in einem Rechnungsbuch des Klosters von 1518. (6) Fahrdorf wird erstmals 1575 als Vardorp urkundlich erwähnt.(?) Lopstede ist niederdeutsch und bedeutet "Stätte an einem Wasserlauf"; Vardorp "Dorf an der Überfahrtstelle." Letzteres lässt die Einrichtung einer Fährverbindung als Ursache der Entstehung vermuten.Im Rechnungsbuch von 1575 sind zehn Fahrdorfer und fünf Loopstedter namentlich aufgeführt, die dem Kloster jährlich fünf Reitscheffel  Raummaß) Roggen abzuliefern hatten. Als Namen sind angegeben:

Fahrdorf:   Clawes Mumm

Clawes Reimer

Matthies Reimer

Laurens Reimer

Tomas Lucht

Tymlang Evers

Hans Ram         

Hans Schroder

Loopstedt: Marquardt Banneke

Johann Banneke

Jürgen Lucht

Jürgen Mumm

Hans Sarow

Einige der Namen kommen bis heute im Ort vor. August Sach stellt in einer ethnologischen Untersuchung fest, dass es 1712 in Fahrdorf zehn sächsische und einen jütischen Familiennamen gab, in Loopstedt nur fünf sächsische. Daraus kann geschlossen werden, dass die Fahrdorfer Bevölkerung im Mittelalter aus dem deutschsprachigen Raum vom Süden her eingewandert ist.Im 16. Jahrhundert stand das Kloster in voller Blüte. Sein Grundbesitz bildete südlich der Schlei (Fahrdorf eingeschlossen) den sogenannten Heide- und überschleiischen Distrikt sowie nördlich der Schlei den sogenannten Angler-Distrikt. Die auf dem Grundbesitz lebenden Menschen, also auch die Fahrdorferund Loopstedter waren Untertanen des Klosters, aber nicht Leibeigene. Die gute wirtschaftliche Situation des Klosters war nicht gleichzusetzen mit einer entsprechenden Lage der Bauern. Das mag daran deutlich werden, dass einerseits das Kloster als Kreditgeber auftrat, andererseits die Kreditnehmer eine lange Zeit benötigten, um Darlehen zurückzuzahlen. So lieh 1585 die Priörin des Klosters den Pachtbauern Claus und Mathias Reimer aus Loopstedt 40 Mark lübsch. Das Geld wurde erst nach 36 Jahren von Claus Reimer jun. zurückgezahlt.

Klösterliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit

Neben den Harden und adeligen Güterdistrikten nahmen die Klöster des Landes hinsichtlich Verwaltung, Gerichtsbarkeit und weiterer Privilegien eine Sonderstellung ein. Diese behielten sie im wesentlichen bis in das späte 19. Jahrhundert. Beim St. Johanniskloster änderte sich daran auch nach der Reformation und der damit verbundenen Umwandlung in ein adeliges Damenstift kaum etwas.In einer Urkunde König Abels vom 7. März 1250, die zugleich den ältesten schriftlichen Nachweis des Klosters darstellt, wurde die Befreiung seiner "Meier und Colonen" (Gefolgsleute) von der "Heerfahrt" zugestanden, ein Privileg, das bis ins 17. Jahrhundert immer wieder bestätigt wurde. Allerdings waren bei Kriegen Unterstützungsleistungen wie Roßdienste (1625: vier Wagenpferde) zu gewähren. An der Spitze des Klosters standen die Äbtissin (nach der Reformation Priörin genannt) und der Klosterprobst (so Originalschreibw.). Während die Äbtissin überwiegend die innerklösterlichen Angelegenheiten (Zucht und Ordnung) regelte, vertrat der Klosterprobst das Kloster nach außen. Nach einer anderen Urkunde von 1584 hatte das Kloster die volle Gerichtsbarkeit, außer der Blutgerichtsbarkeit, "weil der geistliche Stand kein Schwert rührt".

Die Ausübung der Gerichtsbarkeit verlief in der Praxis offenbar nicht immer problemlos. So wird in einem kirchlichen Visitationsbericht von 1634 über die Haddebyer und damit auch Fahrdorfer Kirchengemeinde das Vorhandensein mehrerer unbestrafter "Totschläger" beklagt, da das Kloster kein "Halsgericht" habe.(12) Das Kloster durfte also keine Körper- oder Todesstrafen verhängen. Sonst konnten die Klosterleute (Bewohner der klösterlichen Distrikte) aber nur vor der Priörin und dem Klostervogt klagen oder vor ihnen verklagt werden. Aus der Zeit der Hexenverfolgung liegt ein bemerkenswertes Schreiben des Herrn von Sassenberg an Herzog Friedrich III. vom 5. Februar 1655 folgenden Inhalts vor: Die Priörin des Klosters habe eine Frau und einen Jungen aus Fahrdorf verwahren lassen und unter die Anklage der "Gespensterei oder Spörkeley" gestellt. Damit habe sie sich Rechte angemaßt, für die der Amtmann von Gottorf zuständig sei.(13) Das traf auch zu, denn für die Verfolgung von Hexerei gab es eine Sonderregelung.

An sonstigen Verwaltungsaufgaben hatte das Kloster insbesondere für Erhebung aller Steuern- und Wegebauabgaben sowie für das geistliche Wohl seiner "Eingesessenen" zu sorgen. Auch nahm es Beurkundungen vor. In den Dörfern wurden vom Kloster Bauernvögte bestellt. Eine nähere Aufgabenbeschreibung liegt nicht vor, doch dürften sie in etwa die Stellung eines Bürgermeisters gehabt haben.

2.5 Von der Reformation bis zum Kaiserreich


 

Die Veränderungen der Reformation gingen am Kloster und seinen Untertanen fast unbemerkt vorüber. Kirchenstürmer und Bauernaufstände wie in Süd- und Westdeutschland gab es in Schleswig-Holstein nicht. Der schleswig-holsteinischen Ritterschaft, die von altersher im Land großen Einfluß hatte, gelang es, das Kloster 1541 in ein adeliges Damenstift zur Versorgung seiner unverheirateten Töchter umzuwandeln. Diese Funktion hatte es praktisch schon vor der Reformation wahrgenommen. Die Besitzverhältnisse wurden dabei nicht angetastet. Der Haddebyer Pfarrer hieß jetzt Pastor, war nicht mehr "geschoren" und predigte auf deutsch, was mit plattdeutsch gleichzusetzen war. Das entsprach auch der in plattdeutsch verfassten neuen Landeskirchenordnung von 1542. Ob die damit einhergehende größere Volksverbundenheit die Fahrdorfer und Loopstedter tatsächlich zu besseren Christen gemacht hat, ist nicht erwiesen.

Auch ist nicht belegt, ob die Fahrdorfer die Hilfe ihres Geistlichen nachts in Anspruch genommen haben. Dieser musste außerhalb der Klostermauern in Schleswig wohnen. Da das Kloster nachts geschlossen war, sollte er für die südlich der Schlei gelegenen Dörfer ständig erreichbar sein.  

Die Auswirkungen der Gottorfer Residenz

Fahrdorfs Lage in unmittelbarer Nähe des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrums Schleswigs hatte entscheidende Auswirkungen auf seine Geschichte. Wo konkrete Aufzeichnungen  über Fahrdorf fehlen, können wir manches anhand der Schleswiger Stadtgeschichte nachvollziehen. Im Vertrag von Ripen wurden 1460 die Herzogtümer Schleswig und Holstein "up ewig ungedeelt" miteinander verbunden. Der dänische König war zugleich Herzog von Schleswig und Holstein. Das bis Rendsburg reichende Holstein gehörte zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der Landesteil Schleswig zu Dänemark. Die Fahrdorfer hatten ihren Herzog in Schleswig und ihren König in Kopenhagen. In dieser verwickelten staatsrechtlichen Konstruktion spielten die Gottorfer Herzöge mit ihrer Residenzstadt Schleswig eine Sonderrolle. Sie beschwor in der Folgezeit viele politische Konflikte und militärische Auseinandersetzungen herauf.

In der zweiten Hälfte des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts erlebte die Gottorfer Residenz im Zeitalter der Renaissance ihre Glanzzeit. Der Herzog ließ das Schloss neu aufführen, ein weitläufiger Fürstengarten (der nun wieder in Teilen rekonstruiert wird) lud zum Promenieren ein. Der tatkräftige Johann Adolf (1590-1616) und Herzog Friedrich III. (1616-1659) wurden die Schöpfer und Repräsentanten der vielgepriesenen Gottorfer Kultur. Letzterer erlebte aber auch die harten Zeiten des ersten und zweiten Schwedischen Krieges und verstarb im Tönninger Exil.

Von dem allgemeinen Aufschwung haben Fahrdorf wie auch andere Bauerndörfer nur begrenzt profitiert. Während die adeligen Güter mit ihren insbesondere durch die Intensivierung der Milchviehhaltung (Holländereien) am zunehmenden Wohlstand voll teilnahmen, waren die Pachtbauern des Klosters mit ihren kleineren, zumindest teilweise gemeinsam zu bewirtschaftenden Ländereien und Weiden nicht konkurrenzfähig und dementsprechend wirtschaftlich schlechter gestellt.

Der Blütezeit der Gottorfer Kultur, dem "goldenen Zeitalter", verdanken wir auch die älteste Fahrdorfer Karte aus dem Schleiatlas des Kartographen Johannes Mejer mit einem Text von Caspar Dankwerth. Hier ist Fahrdorf mit zehn, Loopstedt mit fünf Häusern eingezeichnet.

 

Kriege und Verelendung der Bauern im 17. bis ins frühe 18. Jahrhundert

Den friedlichen Zeiten folgte ab 1627 für die Fahrdorfer und das ganze Land eine nahezu hundertjährige Epoche kriegerischer Auseinandersetzungen. Sie führte zum Niedergang der Ständemacht und zur Verelendung der Bauern.

Die Nähe des vielbenutzten Nord-Süd-Heerweges wirkte sich dabei für Fahrdorf immer wieder besonders nachteilig aus. Alle größeren  Gruppenverbände berührten von und nach Skandinavien ziehend Schleswig und sein Umland. So war es auch im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Obwohl Herzog Friedrich III. nach Ausbruch des Krieges sehr um Neutralität bemüht war, konnte er in den Jahren 1627-1629 die Einquartierung kaiserlich-österreichischer Truppen in Schleswig und Umgebung nicht verhindern. Wallenstein erschien persönlich im Oktober 1627 in Schleswig. Den Auftakt großer kostenloser Gruppeneinquartierungen bildeten im Dezember zwei Kompanien mit 364 Mann, 99 Pferden sowie einem Tross von 89 Frauen und 69 Kindern.

Diese und nachfolgende Truppen drangsalierten wie Besatzer auch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer und beuteten das Land aus. Im Gegensatz zu anderen deutschen Landschaften folgten glücklicherweise danach Jahre des Friedens. Auf dem Schloss wurden bereits 1632 anlässlich einer fürstlichen Kindstaufe u.a. 11 Ochsen, 19 Kälber, 17 Schweine und 9 Schweine "aus der Sulz" verzehrt. Der Zeit entsprechend konnte das natürlich nur auf Kosten der Bevölkerung erfolgen. Im ersten Schwedischen Krieg (1643-45) fielen schwedische Truppen in Schleswig ein. In einem Schriftstück des St. Johannisklosters heißt es dazu, "dass viele dem Kloster angehörige Hufen durch die Kriegsstürme und großen Landespressuren ganz ruiniert und wüste, die Äcker unbesät, die Hölzungen ganz verhauen, wodurch die Einwohner den Bettelstab zu ergreifen höchst genötigt wurden". Fahrdorf wurde dabei so schwer ausgeplündert, dass nur noch zwei Pferde im Dorf waren.

Doch es sollte im zweiten Schwedischen Krieg der Jahre 1657-60 noch schlimmer kommen. Dieser Krieg wurde wegen der Grausamkeit polnischer Truppen auch Polackenkrieg genannt. Der Gottorfer Bibliothekar Olearius berichtet davon, dass sich am 5. Oktober 1658 eine polnische Armee in Stärke von 5000 Mann in Schleswig (Einwohnerzahl etwa 4000) und Umgebung einquartiert habe. "Sie lagen ganze Wochen daselbst", schreibt er, "taten sehr großen Schaden, stachen die fischreichen Teiche durch, plünderten und verwüsteten die Häuser, raubten Pferde und Vieh, schändeten das Weibsvolk jung und alt, ergriffen die ihren Quartieren vorbeigehenden Bauernmädchen und behielten sie etlicheTage bei sich verschlossen".

Die außerordentliche Not der nachfolgenden Jahre können wir wieder in zahlreichen Eingaben des Klosters nachlesen. Danach lagen von Mensch und Tier "entblößt" große Ländereien wüst (brach) und wurden zur Verpachtung angeboten. 1665 pachtete sogar ein Klosterfräulein, die "ehr- und tugendreiche Mitschwester Sophia Schachen" für sechs Jahre in Loopstedt eine wüste Hufe(17J. Missernte und Viehsterben einerseits sowie steigende Abgaben andererseits ließen um 1690 die Not der Landbevölkerung einen neuen Höhepunkt erreichen. Der Nordische Krieg ( 1700 bis 1721) verhinderte eine Erholung des Landes. Einher mit der schlechten wirtschaftlichen Situation ging der Verfall von Ordnung und Sitten. Als Beleg dafür mag das Jahr 1685 mit einer Klage stehen. Sie beinhaltet, dass die an der Schlei wohnenden Untertanen des Klosters in die königlichen Gehege eindrangen, unerlaubt fischten und damit ein "hochstrafbares" Verbrechen begingen.


Fahrdorfer Besitzverhältnisse und ländliche Bewirtschaftungsformen vom 17. bis zum 19.Jahrhundert

Die Einwohner Fahrdorfs bestanden vom 17. bis zum 19. Jahrhundert im wesentlichen aus Hufnern, Kätnern und Insten. Der Grundbesitz war die Hufe und befand sich in klösterlichem Besitz. Eine Hufe umfasste je nach Bodenqualität etwa 30 bis 40 Hektar Ackerland und konnte eine bäuerliche Familie nebst Personal ernähren. Hinzu kamen Hofgebäude sowie ein Anteil an der gemeinsam von der Dorfgemeinschaft genutzten Weide und gegebenenfalls Anteile am Wald. Die Hufe wurde in Zeitpacht, teilweise auf Lebenszeit an die Hufner (Bauern) verfestet (vergeben). Aus Fahrdorf sind aber auch Verpachtungen von Bruchteilen einer Hufe bekannt. Die Kätner (Kleinbauern) bewirtschafteten nur kleine Flächen, zumeist nur den zu ihrer gepachteten Kate gehörenden "Kohlgarten". Sie verfügten ebenfalls über Anteile an der gemeinsamen Weide. Die Insten waren nicht selbständige Handwerker und Tagelöhner. Sie bewohnten vom Kloster gepachtete Katen oder Staven. Auf allen Hufen und Katen lagen dem Kloster zu erbringende Dienstleistungen und Naturalienabgaben, die Reallasten. Den Hand- und Spanndiensten kam besondere Bedeutung zu. Sie bestanden bei einem Hufner in der Bereitstellung von Pferdegespannen zur Bearbeitung der in klösterlicher Eigenbewirtschaftung befindlichen Landflächen, dem Hoffeld. Damit konnte sich das Kloster eine eigene Pferdehaltung sparen. Die Kätner hatten z.B. Botendienste zu verrichten oder an einer festgelegten Anzahl von Tagen für das Kloster Torf zu stechen.

Die aus dem Wirtschaftsbetrieb ausgeschiedenen Altbauern lebten von der Abnahme. Sie bewohnten ein zur Hufe gehörendes Gebäude und wurden vom Jungbauern mit ernährt. Wer keinerlei Verdienst hatte, erhielt bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen ein sehr geringes Armengeld oder Almosen. Der Grundbesitz des Klosters wurde wie erwähnt mit Ausnahme des Hoffeldes verpachtet. Stand eine Neuverpachtung an oder sollte ausnahmsweise etwas verkauft werden, wurde dies vom Pastor von der Kanzel verkündet. Interessenten konnten sich dann zu einer bestimmten Zeit beim Klosterverwalter vorstellen. Über Verpachtung, Verkauf und entsprechende Bekanntmachungen in Fahrdorf und Loopstedt sind zahlreiche Urkunden überliefert. Aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts können wir nachlesen:

  • 1653 festet Thomas Reimers eine Hufe in Fahrdorf mit der Maßgabe, dem Adeligen Kloster "Ehr und Gehorsam zu leisten, wie es einem frommen Unterthanen gebührt."
  • 1673 und 1689 wird dieselbe Kate in Loopstedt neu verfestet mit allen von altersher festgelegten Verpflichtungen, z. B. "Laufreisen" (Botengänge ).
  • 1675 festet Johann Stahl auf Lebenszeit eine halbe Hufe mit allen Äckern, Wiesen, Weiden und der Maßgabe, die Obrigkeit zu ehren.
  • 1695 wird die Verpachtung einer Stave in Fahrdorf angeboten.

Aus den aufgeführten Beispielen ist auch ersichtlich, dass mit der Verpachtung eine Unterwerfung unter die klösterliche Obrigkeit erfolgte. Seit der Kolonisierung des Landes im 12. Jahrhundert bestand die gemeinsame Bewirtschaftung der Landflächen, die Feldgemeinschaft der Dörfer. Hiernach wurde dem Bauern jedes Jahr ein anderes Stück Ackerland zugeteilt, das nach einer genau festgelegten Fruchtfolge zu bewirtschaften war (Dreifelderwirtschaft). Das Weideland nutzte man gemeinsam. Pachtverträge des Klosters belegen, dass Ackerland in Fahrdorf bereits im 17. Jahrhundert fest verpachtet wurde.

 

Bauern erhalten Land als Eigentum

Um die Leistungsfähigkeit der Bauernwirtschaft zu verbessern, kam es ab 1766 zur Landreform und der damit verbundenen Verkoppelung. Die Bauern konnten nun auf Verlangen vom Kloster Land zu Eigentum erwerben. Eine Auflage bestand darin, mit Strauchwerk bepflanzte Erdwälle um die Koppeln anzulegen. Für ein Bauerntum auf eigenem Boden waren damit die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen. Die uns heute vertraute Knicklandschaft entstand.

Auch setzte mit der Forst- und Jagdverordnung von 1784 eine geregelte Forstwirtschaft ein. Zum Mästen in die Wälder getriebenes Vieh und unkontrollierter Holzeinschlag hatten die Wälder sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Holzwirtschaft wurde von einem klösterlichen Holzvogt überwacht. Allerdings waren die Fahrdorfer Waldflächen unbedeutend. Für die Einhaltung der Jagdverordnung war ein Jagdvogt zuständig. In der Fahrdorfer Gemarkung wurde die Verkoppelung etwa in den Jahren 1780-1800 durchgeführt. In Loopstedt erfolgte nachweislich der Verkauf von drei Hufen und der Schäferei (Schäferei-Hufe) Nicht immer ging der Verkauf ohne Probleme vor sich. Viele Fragen traten auf und mussten gelöst werden. Wie waren etwa die Wege, wie die "Kirchen- und Fußsteige" zu behandeln? Wem sollten sie in Zukunft gehören? Wer sollte sie unterhalten? Und wie sollte der Kätner bedacht werden, der bisher eine Kuh auf der gemeinsamen Weide grasen lassen durfte? Gemeinsinn war gefragt und musste erlernt werden. Mit der Schätzung des Landes wurden königliche Kommissionen betraut. Einigung unter den Käufern war nicht immer zu erzielen. So ist über die Vergabe des Landes in einem Klosterprotokoll vom 24. August 1790 nachzulesen, dass das Los entscheiden solle, sofern keine gütliche Einigung zu erzielen sei. Unberührt von der Veräußerung blieben bis 1880 die Reallasten, all jene Dienstleistungen, die mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden waren. So mussten dem Kloster auch weiterhin Pferdegespanne zur Verfügung gestellt werden, was zu überhöhter, unwirtschaftlicher Pferdehaltung zwang.

Nach der Verkoppelung im Jahre 1803 lebten in Fahrdorf einschließlich Loopstedt 188 Einwohner in 28 Familien, davon 15 Hufner-Familien. Die durchschnittliche Hufnerfamilie umfasste nebst Kindern und Personal9 Personen. Dem Kloster verblieben auch nach der Landreform noch große Landflächen. Erst 1918/19 veräußerte das Kloster sein "Priörinnenmoor" zwischen Fahrdorf und LoopstedtJ25) Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte es noch über 6500 Hektar Land zu eigen, eine Fläche, die größer als die der Stadt Schleswig war.

Unabhängig von den Verkäufen behielt das Kloster jedenfalls zunächst die "Herrschaftsgewalt" über seine "Untergehörigen". Der Klosterbezirk als Verwaltungseinheit war vergleichbar mit einem heutigen Landkreis.


Verkehrsprojekte und gewerbliche Entwicklung im 19. Jahrhundert

Verkehrstechnisch waren die Vollendung des Haddebyer (Fahrdorfer) Damms im Jahre 1813 und der Bau der Eckernförder Chaussee (Fertigstellung 1847) für Fahrdorf von großer Bedeutung. Zu verdanken haben wir den Bau des Haddebyer Damms dem Statthalter des dänischen Königs auf Schloß Gottorf, dem Landgrafen Carl von Hessen (1768-1832). Dieser hatte die dänische Königstochter Luise geheiratet, den nach ihr benannten Herrensitz Luisenlund bei Fleckeby gebaut und war nicht länger gewillt, den zeitraubenden Weg um das Haddebyer und Selker Noor zum Schloß zu nehmen.

Für die kürzeste Entfernung war aber ein Dammbau mit weitgehender Abschnürung des Haddebyer und Selker Noores von der Schlei nötig. Welche bürokratischen Hürden zur Verwirklichung solcher Vorhaben schon damals genommen werden mussten, lässt sich an der Beteiligung nachfolgender 13 Dienststellen erkennen: " ... Deutsche (ab 1806 Schleswig-Holsteinische, ab 1816 Schleswig-Holsteinische- Lauenburgische) Kanzlei, Königliche Rentekammer, Königliches Generalpostamt, Königliches Finanzkollegium, alle in Kopenhagen, die Finanzkasse in Rendsburg, das Gottorfer Obergericht, 1834 Königlich Schleswig-Holsteinische Regierung zu Gottorf genannt, Amtmann und Hausvogtei vor Gottorf, Hüttener Amtmann vor Gottorf, Hüttener Hausvogtei in Fleckeby, Probst des adeligen St. Johannisklosters

vor Schleswig, der Oberlandwegeinspektor in Schleswig, der Oberdeichinspektor in Husum und die Statthalterschaft auf Gottorf als Durchgangsbehörde."

Um die entstandenen Kosten von 10628 Talern für den Damm zu decken bzw. zu verzinsen, wurde gegenüber dem Historischen Gasthaus Haddeby ein Schlagbaum mit einem Häuschen als Hebestelle für das Passagegeld eingerichtet. Hier mussten alle Straßenbenutzer ein Wegegeld entrichten, das später auch für die Benutzung der Eckernförder Chaussee zu zahlen war. Die Gebühren betrugen ein bis 16 Reichsbankschillinge, je nachdem ob es sich um Fuhrwerke, Reiter, Pferde, Rindvieh oder anderes handelte. Erst 1874 entfiel diese Gebühr.

Die Trassenführung der Chaussee, der heutigen Bundesstraße 76, wurde so geplant, dass der von Luisenlund kommende Reisende immer das Schloss vor sich liegen sah. Ein weiteres Projekt, das letztendlich aber nicht zur Ausführung kam, machte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Furore: der Bau einer Brücke von Fahrdorf nach Schleswig. Ein "Technischer Bericht" mit konkreter Bauplanung und Rentabilitätsberechnung wurde 1867 erstellt und von Vertretern der Ortschaften Fahrdorf und Loopstedt, den Hufnern D. Jöns, J.F. Koch und Z. Koch, mit unterzeichnet.(28) In den Schleswiger Nachrichten meldeten sich die Befürworter und Verneiner des Projektes zu Wort. In der Ausgabe vom 10. Juli 1869 schrieb dazu ein Herr S.: "Ein zweiter für die Zukunft weit bedeutender Übelstand ist aber die nach allen derartigen Bauten eintretende Verschlemmung des abgedämmten Gewässers (Burggraben, Kleiner Kiel, Windebyer Noor usw.), welche mit der Zeit die ganze Stadt mit ähnlichen Ausdünstungen erfüllen wird, wie schon jetzt der Burggraben die umliegenden Teile." Soweit bekannt, waren es schließlich wohl die Finanzen und nicht Umweltbedenken, die das Vorhaben zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig scheitern ließen.

Zum Funktionieren einer dörflichen Gemeinschaft trugen auch Handwerk und Gewerbe bei. Da größte Sparsamkeit für gewöhnlich oberstes Gebot war, wurden nach Möglichkeit Gegenstände des täglichen Bedarfs selbst hergestellt. Für die Herstellung bestimmter Gegenstände und Artikel ging es aber nur schwer ohne Spezialisten, die Handwerker. Jeder Handwerker benötigte eine Konzession, für die er jährlich eine Gebühr von zwei Reichstalern zu zahlen hatte. Eine Gewerbefreiheit gab es nicht. Ein Schmiedeknecht aus Fleckeby konnte daher abgewiesen werden, "weil es schon genügend Schmieden gibt und weil er noch keinen Militärdienst geleistet hatte."

1860 hatte sich die Anzahl der Handwerker gegenüber 1803 nahezu verdreifacht. Nach Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1867 entstanden eine Mühle, eine Ziegelei, Meiereien, Kaufmannsläden und sogar eine Brennerei. Offenbar hat sich die Gewerbefreiheit auch für Fahrdorf im Verbund mit einer allgemeinen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung positiv ausgewirkt. Trotzdem gab es schon damals Arbeitsplatzprobleme.


Erwachendes Nationalgefühl und seine Folgen

Seit dem Nordischen Krieg 1700-1721 war die Politik Dänemarks darauf bedacht, Schleswig-Holstein behutsam in den dänischen Staatsverband einzubinden. Die mit der dänischen Politik verfolgte Beschneidung der Rechte des schleswig-holsteinischen Adels, der traditionell deutsch gesonnen war, rief jedoch Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Gegenkräfte auf den Plan. In Emkendorf bei Rendsburg sammelte Graf Fritz Reventlow einen Kreis bedeutender Männer und Frauen um sich, der bestimmenden Einfluss auf die Geschicke des Landes nehmen sollte. Dieser "Emkendorfer Kreis", geprägt vom Geist der beginnenden Romantik, bildete historisch betrachtet den Ausgangspunkt für ein deutsches Nationalgefühl in den Herzogtümern. Das Festhalten des dänischen Königs an einem Bündnis mit Napoleon auch nach dessen Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 bewirkte den Einfall einer schwedisch-russisch-preußischen Armee von 57.000 Mann in Schleswig-Holstein. Die Einquartierungslasten, vor allem in dem strengen Winter 1813/14, sollte der Bevölkerung auch in Schleswig und Umgebung noch lange als "Kosakenwinter" in böser Erinnerung bleiben. Allein im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg (über Fahrdorf liegen keine Informationen vor) quartierten sich im Januar 1500 Kosaken ein Diese Ereignisse, aber auch Begleiterscheinungen wie Inflation und Währungsreform und nicht zuletzt liberales Gedankengut der Französischen Revolution, ließen in weiten Bevölkerungskreisen zunehmend Vorbehalte gegen "das Dänische" und den Wunsch nach einem eigenständigen, geeinten Schleswig-Holstein aufkommen. Noch wurde der dänische König aber allgemein verehrt, und häufig besuchte er Tochter und Schwiegersohn (Landgraf Carl) in Schleswig und Luisenlund. Der Sylter Uwe Jens Lornsen verlieh 1830 dem Wunsch nach einer gemeinsamen Verfassung in seiner Flugschrift "Über das Verfassungswerk in Schleswig-Holstein" vielbeachteten Ausdruck. Am 24. Juli 1844 erscholl auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest in Schleswig vor 12 000 Besuchern zum ersten Mal das Schleswig-Holstein-Lied. Auch wurde dort zum ersten Mal die blauweiß-rote Fahne in größerer Anzahl gezeigt und fand bei den staunenden Gästen begeisterte Anerkennung."

Diese Farben wurden zum einigenden Symbol aller Schleswig-Holsteiner. Schleswig entwickelte sich zum Zentrum nationaler deutscher Gesinnung. Mehrere Haddebyer Pastoren traten öffentlich für die deutsche Sache ein, wie man damals sagte, und gerieten so in Konflikt mit der dänischen Obrigkeit. Als der dänische König Friedrich VII. Anfang 1848 eine Gesamtstaatsverfassung unter Einschluss der Herzogtümer Holstein und Schleswig in Aussicht stellte, kam es zur Erhebung der Schleswig-Holsteiner. Dieser Konflikt steckte klarer als zuvor die Grenze schleswig-dänischer Gesinnung einerseits und schleswig-holsteinisch-deutscher Gesinnung andererseits ab. Sie äußerte sich u. a. in der Benutzung der dänischen bzw. deutschen Sprache. Während im nördlichen Angeln beide nebeneinander anzutreffen waren, gehörte die Gegend südlich der Schlei und damit auch Fahrdorf zum  deutschsprachigen Teil. Nach anfänglichen Erfolgen der Erhebung mit militärischer Unterstützung Preußens wurde 1850 die inzwischen auch auf sich selbst gestellte schleswig-holsteinische Armee bei Idstedt vor den Toren Schleswigs entscheidend geschlagen. Von den zahlreichen verlustreichen Kämpfen - auch in unmittelbarer Nähe (Selk, Busdorf, Danewerk) - wurde Fahrdorf zwar tangiert, aber nicht direkt betroffen.

Zu dieser Zeit bestand Fahrdorf nach Johannes von Schröder aus elf Hufen unterschiedlicher Größe, acht Kathen und sechs Instenstellen; Loopstedt aus fünf Hufen unterschiedlicher Größe, drei Kathen und einer lnstenstelle. Beide Orte lagen im Bereich des Amtes Gottorf und der Kropper Harde. Das Ackerland wurde mit "von ziemlicher Güte" bewertet. Nach der Erhebung blieb das Herzogtum Schleswig-Holstein unter dänischer Herrschaft. Die Anführer der Erhebung verließen überwiegend das Land, um sich der Verfolgung durch die dänische Obrigkeit zu entziehen. Als am 1. Januar 1864 eine Gesamtstaatsverfassung für Dänemark und das Herzogtum Schleswig in Kraft treten sollte, rückten Ende 1863 preußische und Österreichische Truppen im Auftrag des Deutschen Bundes in Schleswig-Holstein ein. Am Danewerk verschanzte sich die dänische Armee unter ihrem General de Meza. Damit trat auch Fahrdorf kurz in das Licht der weltpolitischen Ereignisse.

Kein geringerer als Theodor Fontane hat diese Tage und Stunden als Kriegsberichterstatter festgehalten. Nach der Besetzung Fahrdorfs am 3. Februar 1864 durch das österreichische Armee-Corps berichtet er über den 4. Februar:

"Erfolgreicher war die Kanonade auf dem rechten Flügel bei Fahrdorf. Hier führte General Thomas, etwa um 11 Uhr vormittags, eine  preußische 6pfündige und eine Österreichische 4pfündige Batterie ins Gefecht, deren vereintem Feuer es gelang, zuerst die Johanniskloster-Batterie und gegen 3 Uhr nachmittags endlich die Möweninsel-Batterie zum Schweigen zu bringen."

Bei diesem Gefecht wurde, wie man in Fahrdorf erzählt, der Schornstein des Rammsehen Abnahmehauses von einer dänischen Kanonenkugel getroffen. Sie befindet sich noch heute im Besitz der Familie. Fontane fährt in seinem Buch über das Gefecht fort: "So standen die Dinge am 5., als etwa gegen Mitternacht ein Offizier vor dem in Fahrdorf stehenden Infanterie-Regiment Coronini beim Feldmarschallieutenant mit der Meldung eintraf, es sei gegen 10 Uhr abends ein Parlamentair in Fahrdorf angekommen, der um Einstellung der Feindseligkeiten für den nächsten Morgen (den 6.) ersucht habe.

Als ein österreichischer Offizier die zustimmende Antwort des  Feldmarschalls von der Gablenz überbringen wollte, hatten die dänischen Truppen in aller Stille das als Verteidigungslinie gut ausgebaute Danewerk verlassen. So endete in der Nacht des 6. Februar 1864 für Fahrdorf die dänische Zeit.


Aus Untertanen des Klosters werden preußische Untertanen

 

Dem Sieg auf dem Schlachtfeld 1864 folgte mit Patent vom Januar 1867 die Inbesitznahme Schleswig-Holsteins durch Preußen und die Eingliederung Nordschleswigs mit einem großen dänischen Bevölkerungsteil. Eine Reihe grundlegender neuer Gesetze und Verordnungen katapultierte Schleswig-Holstein verwaltungsmäßig aus dem Mittelalter in die Neuzeit. Es waren dies u.a.

- die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht von 1866

- die Landgemeindeordnungen von 1867 und 1892

- die Reform des Steuerwesens von 1867

- die Einführung der Gewerbefreiheit 1867

- die Kreisordnung von 1888

- die Verordnung über die Trennung der Justiz von der Verwaltung sowie

- die Einführung der preußischen Verfassung und einer Landesverfassung

Viele der neuen Bestimmungen, die von der eher konservativen bäuerlichen Bevölkerung mit Misstrauen aufgenommen wurden, wirkten sich segensreich auf die Entwicklung des Landes und auch Fahrdorfs aus. Während einerseits eine Zentralisierung und Bürokratisierung des Gemeinwesens eintrat, erfolgte andererseits eine Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung durch Delegation von Verantwortung in bisher unbekanntem Ausmaß.

Für Fahrdorf bedeuteten die Veränderungen die Auflösung der Strukturen, in die es "hineingeboren" und in denen es "aufgewachsen" war, die Auflösung der Verbindung mit dem St. Johanniskloster. So wurden 1867 aus Untertanen des Klosters preußische Untertanen. Am 12. August 1881 erfolgte im Rahmen einer Gemeindereform die Eingliederung des "Wohnplatzes" Loopstedt, am 15. August 1885 die Eingliederung bisher kommunalfreier Wasserflächen, des Haddebyer

Noores und Teile der Schlei. Mit der Landgemeindeordnung von 1867 erhielt unsere Gemeinde ihren ersten gewählten Gemeindevorsteher und ihre erste Gemeindevertretung.