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2.2 Vor- und Frühgeschichte

Aus der Altsteinzeit und Mittleren Steinzeit, die den Zeitraum von 150000 bis 3500 v. Chr. umfassen, sind in Fahrdorf keine Funde bekannt. Zahlreiche Grabhügel der sich anschließenden Jungsteinzeit und Bronzezeit, aber auch vielfältige Werkzeug- und Waffenfunde aus Flintstein zeugen von erster Besiedlung vor etwa 5000 Jahren. Aus Splitterfunden des Fahrdorfer Grundstücks Fährheit 4 schließen Archäologen, dass sich hier möglicherweise ein Flintstein-Bearbeitungsplatz, sozusagen eine jungsteinzeitliche Schmiede befunden hat. Wie in anderen Landesteilen dürfte in unserer Gegend mit dem für die Jungsteinzeit typischen Flintbeil und Feuer die Rodung des Waldes begonnen haben. Aus Jägern und Sammlern wurden die ersten sesshaften Fahrdorfer Bauern, die von Ackerbau und Viehzucht lebten. Sie hatten ihre Siedlungen nicht unmittelbar am Wasser der Schlei, sondern überwiegend auf den leichter nutzbaren Flächen südlich der Bundesstraße 76 in Fahrdorffeld.
Unsere Neugierde nach dem Aussehen der damaligen Menschen können wir kaum befriedigen. Wir wissen hingegen, dass ihre Lebenserwartung zwischen 20 und 22 Jahren lag. Ihre Toten bestatteten sie möglichst auf Erhebungen in bis zu 50 m im Durchmesser erreichenden Grabhügeln. Diese Groß- oder Megalithgräber dienten als Familiengräber. Für das Leben im Jenseits legte man Proviant und entsprechend der gesellschaftlichen Stellung der Verstorbenen Waffen und Schmuck bei. Die Wohnstätten der Menschen lagen ganz in der Nähe, um mit den Toten in Verbindung zu bleiben. Über 80 Fundstellen aus vorgeschichtlicher Zeit auf Fahrdorfer Gemeindegebiet belegen eine ausgeprägte Besiedlung, die etwa 3500 v. Chr. begann.
Nach und nach verwandelten die Menschen die urwaldähnliche Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft. Der Anbau der ersten Kulturpflanzen wie Nacktgerste sowie der Weizenarten Einkorn und Emmer begann. Mehr als 90% der in Speiseabfällen gefundenen Knochen stammen von Haustieren, darunter Schwein und Rind, und lassen Aussagen über die Tierhaltung zu. Auch in der nachfolgenden Bronzezeit ab 1600 v. Chr. änderte sich an dieser wirtschaftlichen Grundlage nichts. Allerdings kamen gebrauchstüchtigere Gerätschaften und Waffen aus Metall hinzu. Rein äußerlich unterschieden sich die Begräbnisstätten der Steinzeit häufig nicht von denen der Bronzezeit. Die Bestattungsformen änderten sich allerdings. Der steinzeitliehen Beisetzung in Grabkammern aus Findlingen folgte die bronzezeitliche Bestattung in Baum- oder Bohlensärgen. Noch während der Bronzezeit setzte sich ab 1100 v. Chr. zunehmend die Leichenverbrennung und Bestattung in Urnen (Brandbestattung) durch. Von den vormals 38 urgeschichtlichen Fahrdorfer Grabhügeln ist nur noch ein kleiner Teil erhalten. Zur Gewinnung von Baumaterial wurden alle bekannten Grabkammern der Großsteingräber ausgebrochen. Der Schleswiger Lehrer Osewald, dem wir umfassende Aufzeichnungen aus dem Jahre 1942 verdanken, überliefert Berichte, wonach die Steine von vier Gräbern beim Bau des Haddebyer Damms Anfang des 19. Jahrhunderts Verwendung fanden. An anderer Stelle schreibt er, dass bei "Aufräumungsarbeiten" ein Pferd durch die Decke in eine Grabkammer stürzte. Ungesicherten Aussagen zufolge sollen nach dem Zweiten Weltkrieg zwei vorzeitliche Gräber als "Bauschutt" zur Geländeaufschüttung einer Fahrdorfer Tankstelle gedient haben. Heute beschleunigt das Überpflügen mit modernen Maschinen den Einebnungsprozess von Grabhügeln sehr stark. Ein überpflügtes Grab wird jährlich etwa 2 cm niedriger. Ein Teil der noch vorhandenen Grabhügel steht heute unter Denkmalschutz, so der markante Dreehü. Funde aus Grabanlagen Fahrdorfs sind in verschiedenen Museen zu bestaunen. Bereits 1835 schickte der Kapitän Reinhardt bronzezeitliche Funde aus der Nähe des Ortsteiles Loopstedt an das dänische Nationalmuseum.
Im Jahre 1962 wurde im Zuge einer Feldwegbegradigung unter Aufsicht von Wissenschaftlern des Landesamtes für Denkmalschutz ein bronzezeitlicher Grabhügel in Fahrdorffeld ausgewertet. Der u.a. hierbei gefundene spiralförmige Goldfingerring - eine typische männliche Grabbeigabe - sowie zahlreiche Werkzeuge und Waffen aus Flintstein anderer Fahrdorfer Fundstellen befinden sich im Landesmuseum auf Schloß Gottorf in Schleswig.
Nachdem die Kunst der Eisenverarbeitung in den europäischen Norden vorgedrungen war, erfolgten etwa ab 500 n. Chr. die Gewinnung und Verarbeitung einheimischen Sumpf- und Raseneisenerzes. Damit begann hier die Eisenzeit. In der Nähe der Lagerstätten der Geest, aber auch in anderen Fundorten wurde das Eisen in Brennöfen verhüttet und das gewonnene Roheisen zur Weiterverwendung als Schmiedeeisen im ganzen Land benutzt. Auch im Bereich Fahrdorf befinden sich Fundstellen der Eisenverarbeitung. Vergleichsweise sind sie aber spärlich und lassen auf eine dünnere Besiedlung als in der vorangegangenen Bronzezeit schließen.
Zu der Zeit lebten hier Germanen, wie sie der römische Schriftsteller Tacitus beschrieben hat. Eine Vorstellung können wir uns von diesen Menschen bilden, wenn wir im Schloß Gottorf die Moorleichenfunde u.a. aus Windeby bei Eckernförde betrachten. Eines ihrer Stammesheiligtümer mit interessanten Funden lag im Thorsberger Moor bei Süderbrarup in Angeln. 

Um 400 n. Chr. setzte die Völkerwanderung ein. In ihrem Gefolge wanderte die hiesige Bevölkerung, die germanischen Stämme der Angeln und Sachsen, aus. Das Land wurde zunehmend menschenleerer. Um 600 n. Chr. erreichten aus dem Norden kommend "nachrückende" dänische Einwanderer die Schlei.