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Die Anfänge der Christianisierung Nordeuropas

Außer für den Fernhandel spielte Haithabu auch eine bedeutende Rolle für die Christianisierung Nordeuropas. Um 850 erhielt Ansgar, der "Apostel des Nordens", die Erlaubnis, in Haithabu eine Kirche zu bauen und christliche Gottesdienste abzuhalten. Durch den Gebrauch einer Glocke fühlten sich die heidnischen Bewohner der Stadt allerdings provoziert. Das Läuten wurde daher vorübergehend untersagt. Für die Heiden standen die drei Gottheiten Odin, Thor und Freya an der Spitze des Götterhimmels. Thor erschien als eine Gottheit so recht nach ihrem Idealbild: als treuherziger Menschenfreund, der auch das Kampfgetöse liebte und mit vernichtender Kraft seinen Hammer schwang. Christliche Nächstenliebe hatte es da schwer, sich als neue Grundeinstellung durchzusetzen. Johannes von Schröder mag daher recht haben, dass das 30 Pfund schwere Stück einer Glocke, welches 1710 im Moor bei Loopstedt gefunden wurde, von den Heiden seinerzeit dort versenkt worden ist. Nach großen Missionierungsrückschlägen erfolgte 948 gleichzeitig die Gründung von Bistümern in Haithabu, Ribe und Aarhus. Um 965 ließ sich der dänische König Harald Blauzahn taufen. Damit gehörte Dänemark formal zum christlichen Abendland. Aus dieser zweiten Missionierungsperiode um 950 stammt eine Kirchenglocke, die 1978 im Hafenbereich Haithabus geborgen wurde. Sie ist die älteste, vollständig erhaltene Läuteglocke Nordeuropas und damit eines der wertvollsten Fundstücke Haithabus. Möglicherweise in Haithabu gegossen, ist sie geradezu ein Symbol für die Christianisierung Skandinaviens, die
von Haithabu im 9. Jahrhundert ihren Ausgang nahm. Untergang und Wiederentdeckung Haithabus 1050 brandschatzten norwegische Wikinger unter ihrem König Harald dem Harten die Stadt. In einer altnordischen Skaldenstrophe, zu finden im Wikingermuseum Haithabu, liest sich diese Tat so:

"Von einem End zum anderen

Ausbrannt Hed' by grause

Wut des Streites, stattlich
Schein die Großtat, mein ich.
Arg Svend sollt sich ärgern.
Ich faßt vor dem Zwielicht
Fuß schon auf der Feste;
Flamm, hoch, vom Dache lohte."

1066 vernichtete ein Wendenheer den Ort endgültig und Haithabu versank im Dunkel der Geschichte. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann seine archäologische Wiederentdeckung. Nach den großen Ausgrabungen der Siedlung in den dreißiger und sechzig er Jahren erbrachten die bereits erwähnten Untersuchungen im Hafenbereich von 1979 und 1980 außerordentlich bedeutende Forschungsergebnisse. Von großem Vorteil war, dass Siedlung und Hafen über nahezu 900 Jahre praktisch unberührt lagen. Heute ist der ehemalige Hafen der besterforschte Deutschlands.