Beitragsseiten

Erste urkundliche Erwähnung

Wann genau die Fahrdorfer und Loopstedter Gemarkungenin den Besitz des Klosters gelangten, ist unbekannt. Es ist aber anzunehmen, dass dies vor der Reformation erfolgte. Die erste urkundliche Erwähnung Loopstedts findet sich als Lopstede in einem Rechnungsbuch des Klosters von 1518. (6) Fahrdorf wird erstmals 1575 als Vardorp urkundlich erwähnt.(?) Lopstede ist niederdeutsch und bedeutet "Stätte an einem Wasserlauf"; Vardorp "Dorf an der Überfahrtstelle." Letzteres lässt die Einrichtung einer Fährverbindung als Ursache der Entstehung vermuten.Im Rechnungsbuch von 1575 sind zehn Fahrdorfer und fünf Loopstedter namentlich aufgeführt, die dem Kloster jährlich fünf Reitscheffel  Raummaß) Roggen abzuliefern hatten. Als Namen sind angegeben:

Fahrdorf:   Clawes Mumm

Clawes Reimer

Matthies Reimer

Laurens Reimer

Tomas Lucht

Tymlang Evers

Hans Ram         

Hans Schroder

Loopstedt: Marquardt Banneke

Johann Banneke

Jürgen Lucht

Jürgen Mumm

Hans Sarow

Einige der Namen kommen bis heute im Ort vor. August Sach stellt in einer ethnologischen Untersuchung fest, dass es 1712 in Fahrdorf zehn sächsische und einen jütischen Familiennamen gab, in Loopstedt nur fünf sächsische. Daraus kann geschlossen werden, dass die Fahrdorfer Bevölkerung im Mittelalter aus dem deutschsprachigen Raum vom Süden her eingewandert ist.Im 16. Jahrhundert stand das Kloster in voller Blüte. Sein Grundbesitz bildete südlich der Schlei (Fahrdorf eingeschlossen) den sogenannten Heide- und überschleiischen Distrikt sowie nördlich der Schlei den sogenannten Angler-Distrikt. Die auf dem Grundbesitz lebenden Menschen, also auch die Fahrdorferund Loopstedter waren Untertanen des Klosters, aber nicht Leibeigene. Die gute wirtschaftliche Situation des Klosters war nicht gleichzusetzen mit einer entsprechenden Lage der Bauern. Das mag daran deutlich werden, dass einerseits das Kloster als Kreditgeber auftrat, andererseits die Kreditnehmer eine lange Zeit benötigten, um Darlehen zurückzuzahlen. So lieh 1585 die Priörin des Klosters den Pachtbauern Claus und Mathias Reimer aus Loopstedt 40 Mark lübsch. Das Geld wurde erst nach 36 Jahren von Claus Reimer jun. zurückgezahlt.

Klösterliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit

Neben den Harden und adeligen Güterdistrikten nahmen die Klöster des Landes hinsichtlich Verwaltung, Gerichtsbarkeit und weiterer Privilegien eine Sonderstellung ein. Diese behielten sie im wesentlichen bis in das späte 19. Jahrhundert. Beim St. Johanniskloster änderte sich daran auch nach der Reformation und der damit verbundenen Umwandlung in ein adeliges Damenstift kaum etwas.In einer Urkunde König Abels vom 7. März 1250, die zugleich den ältesten schriftlichen Nachweis des Klosters darstellt, wurde die Befreiung seiner "Meier und Colonen" (Gefolgsleute) von der "Heerfahrt" zugestanden, ein Privileg, das bis ins 17. Jahrhundert immer wieder bestätigt wurde. Allerdings waren bei Kriegen Unterstützungsleistungen wie Roßdienste (1625: vier Wagenpferde) zu gewähren. An der Spitze des Klosters standen die Äbtissin (nach der Reformation Priörin genannt) und der Klosterprobst (so Originalschreibw.). Während die Äbtissin überwiegend die innerklösterlichen Angelegenheiten (Zucht und Ordnung) regelte, vertrat der Klosterprobst das Kloster nach außen. Nach einer anderen Urkunde von 1584 hatte das Kloster die volle Gerichtsbarkeit, außer der Blutgerichtsbarkeit, "weil der geistliche Stand kein Schwert rührt".

Die Ausübung der Gerichtsbarkeit verlief in der Praxis offenbar nicht immer problemlos. So wird in einem kirchlichen Visitationsbericht von 1634 über die Haddebyer und damit auch Fahrdorfer Kirchengemeinde das Vorhandensein mehrerer unbestrafter "Totschläger" beklagt, da das Kloster kein "Halsgericht" habe.(12) Das Kloster durfte also keine Körper- oder Todesstrafen verhängen. Sonst konnten die Klosterleute (Bewohner der klösterlichen Distrikte) aber nur vor der Priörin und dem Klostervogt klagen oder vor ihnen verklagt werden. Aus der Zeit der Hexenverfolgung liegt ein bemerkenswertes Schreiben des Herrn von Sassenberg an Herzog Friedrich III. vom 5. Februar 1655 folgenden Inhalts vor: Die Priörin des Klosters habe eine Frau und einen Jungen aus Fahrdorf verwahren lassen und unter die Anklage der "Gespensterei oder Spörkeley" gestellt. Damit habe sie sich Rechte angemaßt, für die der Amtmann von Gottorf zuständig sei.(13) Das traf auch zu, denn für die Verfolgung von Hexerei gab es eine Sonderregelung.

An sonstigen Verwaltungsaufgaben hatte das Kloster insbesondere für Erhebung aller Steuern- und Wegebauabgaben sowie für das geistliche Wohl seiner "Eingesessenen" zu sorgen. Auch nahm es Beurkundungen vor. In den Dörfern wurden vom Kloster Bauernvögte bestellt. Eine nähere Aufgabenbeschreibung liegt nicht vor, doch dürften sie in etwa die Stellung eines Bürgermeisters gehabt haben.

2.5 Von der Reformation bis zum Kaiserreich