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Die Veränderungen der Reformation gingen am Kloster und seinen Untertanen fast unbemerkt vorüber. Kirchenstürmer und Bauernaufstände wie in Süd- und Westdeutschland gab es in Schleswig-Holstein nicht. Der schleswig-holsteinischen Ritterschaft, die von altersher im Land großen Einfluß hatte, gelang es, das Kloster 1541 in ein adeliges Damenstift zur Versorgung seiner unverheirateten Töchter umzuwandeln. Diese Funktion hatte es praktisch schon vor der Reformation wahrgenommen. Die Besitzverhältnisse wurden dabei nicht angetastet. Der Haddebyer Pfarrer hieß jetzt Pastor, war nicht mehr "geschoren" und predigte auf deutsch, was mit plattdeutsch gleichzusetzen war. Das entsprach auch der in plattdeutsch verfassten neuen Landeskirchenordnung von 1542. Ob die damit einhergehende größere Volksverbundenheit die Fahrdorfer und Loopstedter tatsächlich zu besseren Christen gemacht hat, ist nicht erwiesen.

Auch ist nicht belegt, ob die Fahrdorfer die Hilfe ihres Geistlichen nachts in Anspruch genommen haben. Dieser musste außerhalb der Klostermauern in Schleswig wohnen. Da das Kloster nachts geschlossen war, sollte er für die südlich der Schlei gelegenen Dörfer ständig erreichbar sein.  

Die Auswirkungen der Gottorfer Residenz

Fahrdorfs Lage in unmittelbarer Nähe des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrums Schleswigs hatte entscheidende Auswirkungen auf seine Geschichte. Wo konkrete Aufzeichnungen  über Fahrdorf fehlen, können wir manches anhand der Schleswiger Stadtgeschichte nachvollziehen. Im Vertrag von Ripen wurden 1460 die Herzogtümer Schleswig und Holstein "up ewig ungedeelt" miteinander verbunden. Der dänische König war zugleich Herzog von Schleswig und Holstein. Das bis Rendsburg reichende Holstein gehörte zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der Landesteil Schleswig zu Dänemark. Die Fahrdorfer hatten ihren Herzog in Schleswig und ihren König in Kopenhagen. In dieser verwickelten staatsrechtlichen Konstruktion spielten die Gottorfer Herzöge mit ihrer Residenzstadt Schleswig eine Sonderrolle. Sie beschwor in der Folgezeit viele politische Konflikte und militärische Auseinandersetzungen herauf.

In der zweiten Hälfte des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts erlebte die Gottorfer Residenz im Zeitalter der Renaissance ihre Glanzzeit. Der Herzog ließ das Schloss neu aufführen, ein weitläufiger Fürstengarten (der nun wieder in Teilen rekonstruiert wird) lud zum Promenieren ein. Der tatkräftige Johann Adolf (1590-1616) und Herzog Friedrich III. (1616-1659) wurden die Schöpfer und Repräsentanten der vielgepriesenen Gottorfer Kultur. Letzterer erlebte aber auch die harten Zeiten des ersten und zweiten Schwedischen Krieges und verstarb im Tönninger Exil.

Von dem allgemeinen Aufschwung haben Fahrdorf wie auch andere Bauerndörfer nur begrenzt profitiert. Während die adeligen Güter mit ihren insbesondere durch die Intensivierung der Milchviehhaltung (Holländereien) am zunehmenden Wohlstand voll teilnahmen, waren die Pachtbauern des Klosters mit ihren kleineren, zumindest teilweise gemeinsam zu bewirtschaftenden Ländereien und Weiden nicht konkurrenzfähig und dementsprechend wirtschaftlich schlechter gestellt.

Der Blütezeit der Gottorfer Kultur, dem "goldenen Zeitalter", verdanken wir auch die älteste Fahrdorfer Karte aus dem Schleiatlas des Kartographen Johannes Mejer mit einem Text von Caspar Dankwerth. Hier ist Fahrdorf mit zehn, Loopstedt mit fünf Häusern eingezeichnet.

 

Kriege und Verelendung der Bauern im 17. bis ins frühe 18. Jahrhundert

Den friedlichen Zeiten folgte ab 1627 für die Fahrdorfer und das ganze Land eine nahezu hundertjährige Epoche kriegerischer Auseinandersetzungen. Sie führte zum Niedergang der Ständemacht und zur Verelendung der Bauern.

Die Nähe des vielbenutzten Nord-Süd-Heerweges wirkte sich dabei für Fahrdorf immer wieder besonders nachteilig aus. Alle größeren  Gruppenverbände berührten von und nach Skandinavien ziehend Schleswig und sein Umland. So war es auch im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Obwohl Herzog Friedrich III. nach Ausbruch des Krieges sehr um Neutralität bemüht war, konnte er in den Jahren 1627-1629 die Einquartierung kaiserlich-österreichischer Truppen in Schleswig und Umgebung nicht verhindern. Wallenstein erschien persönlich im Oktober 1627 in Schleswig. Den Auftakt großer kostenloser Gruppeneinquartierungen bildeten im Dezember zwei Kompanien mit 364 Mann, 99 Pferden sowie einem Tross von 89 Frauen und 69 Kindern.

Diese und nachfolgende Truppen drangsalierten wie Besatzer auch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer und beuteten das Land aus. Im Gegensatz zu anderen deutschen Landschaften folgten glücklicherweise danach Jahre des Friedens. Auf dem Schloss wurden bereits 1632 anlässlich einer fürstlichen Kindstaufe u.a. 11 Ochsen, 19 Kälber, 17 Schweine und 9 Schweine "aus der Sulz" verzehrt. Der Zeit entsprechend konnte das natürlich nur auf Kosten der Bevölkerung erfolgen. Im ersten Schwedischen Krieg (1643-45) fielen schwedische Truppen in Schleswig ein. In einem Schriftstück des St. Johannisklosters heißt es dazu, "dass viele dem Kloster angehörige Hufen durch die Kriegsstürme und großen Landespressuren ganz ruiniert und wüste, die Äcker unbesät, die Hölzungen ganz verhauen, wodurch die Einwohner den Bettelstab zu ergreifen höchst genötigt wurden". Fahrdorf wurde dabei so schwer ausgeplündert, dass nur noch zwei Pferde im Dorf waren.

Doch es sollte im zweiten Schwedischen Krieg der Jahre 1657-60 noch schlimmer kommen. Dieser Krieg wurde wegen der Grausamkeit polnischer Truppen auch Polackenkrieg genannt. Der Gottorfer Bibliothekar Olearius berichtet davon, dass sich am 5. Oktober 1658 eine polnische Armee in Stärke von 5000 Mann in Schleswig (Einwohnerzahl etwa 4000) und Umgebung einquartiert habe. "Sie lagen ganze Wochen daselbst", schreibt er, "taten sehr großen Schaden, stachen die fischreichen Teiche durch, plünderten und verwüsteten die Häuser, raubten Pferde und Vieh, schändeten das Weibsvolk jung und alt, ergriffen die ihren Quartieren vorbeigehenden Bauernmädchen und behielten sie etlicheTage bei sich verschlossen".

Die außerordentliche Not der nachfolgenden Jahre können wir wieder in zahlreichen Eingaben des Klosters nachlesen. Danach lagen von Mensch und Tier "entblößt" große Ländereien wüst (brach) und wurden zur Verpachtung angeboten. 1665 pachtete sogar ein Klosterfräulein, die "ehr- und tugendreiche Mitschwester Sophia Schachen" für sechs Jahre in Loopstedt eine wüste Hufe(17J. Missernte und Viehsterben einerseits sowie steigende Abgaben andererseits ließen um 1690 die Not der Landbevölkerung einen neuen Höhepunkt erreichen. Der Nordische Krieg ( 1700 bis 1721) verhinderte eine Erholung des Landes. Einher mit der schlechten wirtschaftlichen Situation ging der Verfall von Ordnung und Sitten. Als Beleg dafür mag das Jahr 1685 mit einer Klage stehen. Sie beinhaltet, dass die an der Schlei wohnenden Untertanen des Klosters in die königlichen Gehege eindrangen, unerlaubt fischten und damit ein "hochstrafbares" Verbrechen begingen.