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Fahrdorfer Besitzverhältnisse und ländliche Bewirtschaftungsformen vom 17. bis zum 19.Jahrhundert

Die Einwohner Fahrdorfs bestanden vom 17. bis zum 19. Jahrhundert im wesentlichen aus Hufnern, Kätnern und Insten. Der Grundbesitz war die Hufe und befand sich in klösterlichem Besitz. Eine Hufe umfasste je nach Bodenqualität etwa 30 bis 40 Hektar Ackerland und konnte eine bäuerliche Familie nebst Personal ernähren. Hinzu kamen Hofgebäude sowie ein Anteil an der gemeinsam von der Dorfgemeinschaft genutzten Weide und gegebenenfalls Anteile am Wald. Die Hufe wurde in Zeitpacht, teilweise auf Lebenszeit an die Hufner (Bauern) verfestet (vergeben). Aus Fahrdorf sind aber auch Verpachtungen von Bruchteilen einer Hufe bekannt. Die Kätner (Kleinbauern) bewirtschafteten nur kleine Flächen, zumeist nur den zu ihrer gepachteten Kate gehörenden "Kohlgarten". Sie verfügten ebenfalls über Anteile an der gemeinsamen Weide. Die Insten waren nicht selbständige Handwerker und Tagelöhner. Sie bewohnten vom Kloster gepachtete Katen oder Staven. Auf allen Hufen und Katen lagen dem Kloster zu erbringende Dienstleistungen und Naturalienabgaben, die Reallasten. Den Hand- und Spanndiensten kam besondere Bedeutung zu. Sie bestanden bei einem Hufner in der Bereitstellung von Pferdegespannen zur Bearbeitung der in klösterlicher Eigenbewirtschaftung befindlichen Landflächen, dem Hoffeld. Damit konnte sich das Kloster eine eigene Pferdehaltung sparen. Die Kätner hatten z.B. Botendienste zu verrichten oder an einer festgelegten Anzahl von Tagen für das Kloster Torf zu stechen.

Die aus dem Wirtschaftsbetrieb ausgeschiedenen Altbauern lebten von der Abnahme. Sie bewohnten ein zur Hufe gehörendes Gebäude und wurden vom Jungbauern mit ernährt. Wer keinerlei Verdienst hatte, erhielt bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen ein sehr geringes Armengeld oder Almosen. Der Grundbesitz des Klosters wurde wie erwähnt mit Ausnahme des Hoffeldes verpachtet. Stand eine Neuverpachtung an oder sollte ausnahmsweise etwas verkauft werden, wurde dies vom Pastor von der Kanzel verkündet. Interessenten konnten sich dann zu einer bestimmten Zeit beim Klosterverwalter vorstellen. Über Verpachtung, Verkauf und entsprechende Bekanntmachungen in Fahrdorf und Loopstedt sind zahlreiche Urkunden überliefert. Aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts können wir nachlesen:

  • 1653 festet Thomas Reimers eine Hufe in Fahrdorf mit der Maßgabe, dem Adeligen Kloster "Ehr und Gehorsam zu leisten, wie es einem frommen Unterthanen gebührt."
  • 1673 und 1689 wird dieselbe Kate in Loopstedt neu verfestet mit allen von altersher festgelegten Verpflichtungen, z. B. "Laufreisen" (Botengänge ).
  • 1675 festet Johann Stahl auf Lebenszeit eine halbe Hufe mit allen Äckern, Wiesen, Weiden und der Maßgabe, die Obrigkeit zu ehren.
  • 1695 wird die Verpachtung einer Stave in Fahrdorf angeboten.

Aus den aufgeführten Beispielen ist auch ersichtlich, dass mit der Verpachtung eine Unterwerfung unter die klösterliche Obrigkeit erfolgte. Seit der Kolonisierung des Landes im 12. Jahrhundert bestand die gemeinsame Bewirtschaftung der Landflächen, die Feldgemeinschaft der Dörfer. Hiernach wurde dem Bauern jedes Jahr ein anderes Stück Ackerland zugeteilt, das nach einer genau festgelegten Fruchtfolge zu bewirtschaften war (Dreifelderwirtschaft). Das Weideland nutzte man gemeinsam. Pachtverträge des Klosters belegen, dass Ackerland in Fahrdorf bereits im 17. Jahrhundert fest verpachtet wurde.

 

Bauern erhalten Land als Eigentum

Um die Leistungsfähigkeit der Bauernwirtschaft zu verbessern, kam es ab 1766 zur Landreform und der damit verbundenen Verkoppelung. Die Bauern konnten nun auf Verlangen vom Kloster Land zu Eigentum erwerben. Eine Auflage bestand darin, mit Strauchwerk bepflanzte Erdwälle um die Koppeln anzulegen. Für ein Bauerntum auf eigenem Boden waren damit die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen. Die uns heute vertraute Knicklandschaft entstand.

Auch setzte mit der Forst- und Jagdverordnung von 1784 eine geregelte Forstwirtschaft ein. Zum Mästen in die Wälder getriebenes Vieh und unkontrollierter Holzeinschlag hatten die Wälder sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Holzwirtschaft wurde von einem klösterlichen Holzvogt überwacht. Allerdings waren die Fahrdorfer Waldflächen unbedeutend. Für die Einhaltung der Jagdverordnung war ein Jagdvogt zuständig. In der Fahrdorfer Gemarkung wurde die Verkoppelung etwa in den Jahren 1780-1800 durchgeführt. In Loopstedt erfolgte nachweislich der Verkauf von drei Hufen und der Schäferei (Schäferei-Hufe) Nicht immer ging der Verkauf ohne Probleme vor sich. Viele Fragen traten auf und mussten gelöst werden. Wie waren etwa die Wege, wie die "Kirchen- und Fußsteige" zu behandeln? Wem sollten sie in Zukunft gehören? Wer sollte sie unterhalten? Und wie sollte der Kätner bedacht werden, der bisher eine Kuh auf der gemeinsamen Weide grasen lassen durfte? Gemeinsinn war gefragt und musste erlernt werden. Mit der Schätzung des Landes wurden königliche Kommissionen betraut. Einigung unter den Käufern war nicht immer zu erzielen. So ist über die Vergabe des Landes in einem Klosterprotokoll vom 24. August 1790 nachzulesen, dass das Los entscheiden solle, sofern keine gütliche Einigung zu erzielen sei. Unberührt von der Veräußerung blieben bis 1880 die Reallasten, all jene Dienstleistungen, die mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden waren. So mussten dem Kloster auch weiterhin Pferdegespanne zur Verfügung gestellt werden, was zu überhöhter, unwirtschaftlicher Pferdehaltung zwang.

Nach der Verkoppelung im Jahre 1803 lebten in Fahrdorf einschließlich Loopstedt 188 Einwohner in 28 Familien, davon 15 Hufner-Familien. Die durchschnittliche Hufnerfamilie umfasste nebst Kindern und Personal9 Personen. Dem Kloster verblieben auch nach der Landreform noch große Landflächen. Erst 1918/19 veräußerte das Kloster sein "Priörinnenmoor" zwischen Fahrdorf und LoopstedtJ25) Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte es noch über 6500 Hektar Land zu eigen, eine Fläche, die größer als die der Stadt Schleswig war.

Unabhängig von den Verkäufen behielt das Kloster jedenfalls zunächst die "Herrschaftsgewalt" über seine "Untergehörigen". Der Klosterbezirk als Verwaltungseinheit war vergleichbar mit einem heutigen Landkreis.