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Verkehrsprojekte und gewerbliche Entwicklung im 19. Jahrhundert

Verkehrstechnisch waren die Vollendung des Haddebyer (Fahrdorfer) Damms im Jahre 1813 und der Bau der Eckernförder Chaussee (Fertigstellung 1847) für Fahrdorf von großer Bedeutung. Zu verdanken haben wir den Bau des Haddebyer Damms dem Statthalter des dänischen Königs auf Schloß Gottorf, dem Landgrafen Carl von Hessen (1768-1832). Dieser hatte die dänische Königstochter Luise geheiratet, den nach ihr benannten Herrensitz Luisenlund bei Fleckeby gebaut und war nicht länger gewillt, den zeitraubenden Weg um das Haddebyer und Selker Noor zum Schloß zu nehmen.

Für die kürzeste Entfernung war aber ein Dammbau mit weitgehender Abschnürung des Haddebyer und Selker Noores von der Schlei nötig. Welche bürokratischen Hürden zur Verwirklichung solcher Vorhaben schon damals genommen werden mussten, lässt sich an der Beteiligung nachfolgender 13 Dienststellen erkennen: " ... Deutsche (ab 1806 Schleswig-Holsteinische, ab 1816 Schleswig-Holsteinische- Lauenburgische) Kanzlei, Königliche Rentekammer, Königliches Generalpostamt, Königliches Finanzkollegium, alle in Kopenhagen, die Finanzkasse in Rendsburg, das Gottorfer Obergericht, 1834 Königlich Schleswig-Holsteinische Regierung zu Gottorf genannt, Amtmann und Hausvogtei vor Gottorf, Hüttener Amtmann vor Gottorf, Hüttener Hausvogtei in Fleckeby, Probst des adeligen St. Johannisklosters

vor Schleswig, der Oberlandwegeinspektor in Schleswig, der Oberdeichinspektor in Husum und die Statthalterschaft auf Gottorf als Durchgangsbehörde."

Um die entstandenen Kosten von 10628 Talern für den Damm zu decken bzw. zu verzinsen, wurde gegenüber dem Historischen Gasthaus Haddeby ein Schlagbaum mit einem Häuschen als Hebestelle für das Passagegeld eingerichtet. Hier mussten alle Straßenbenutzer ein Wegegeld entrichten, das später auch für die Benutzung der Eckernförder Chaussee zu zahlen war. Die Gebühren betrugen ein bis 16 Reichsbankschillinge, je nachdem ob es sich um Fuhrwerke, Reiter, Pferde, Rindvieh oder anderes handelte. Erst 1874 entfiel diese Gebühr.

Die Trassenführung der Chaussee, der heutigen Bundesstraße 76, wurde so geplant, dass der von Luisenlund kommende Reisende immer das Schloss vor sich liegen sah. Ein weiteres Projekt, das letztendlich aber nicht zur Ausführung kam, machte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Furore: der Bau einer Brücke von Fahrdorf nach Schleswig. Ein "Technischer Bericht" mit konkreter Bauplanung und Rentabilitätsberechnung wurde 1867 erstellt und von Vertretern der Ortschaften Fahrdorf und Loopstedt, den Hufnern D. Jöns, J.F. Koch und Z. Koch, mit unterzeichnet.(28) In den Schleswiger Nachrichten meldeten sich die Befürworter und Verneiner des Projektes zu Wort. In der Ausgabe vom 10. Juli 1869 schrieb dazu ein Herr S.: "Ein zweiter für die Zukunft weit bedeutender Übelstand ist aber die nach allen derartigen Bauten eintretende Verschlemmung des abgedämmten Gewässers (Burggraben, Kleiner Kiel, Windebyer Noor usw.), welche mit der Zeit die ganze Stadt mit ähnlichen Ausdünstungen erfüllen wird, wie schon jetzt der Burggraben die umliegenden Teile." Soweit bekannt, waren es schließlich wohl die Finanzen und nicht Umweltbedenken, die das Vorhaben zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig scheitern ließen.

Zum Funktionieren einer dörflichen Gemeinschaft trugen auch Handwerk und Gewerbe bei. Da größte Sparsamkeit für gewöhnlich oberstes Gebot war, wurden nach Möglichkeit Gegenstände des täglichen Bedarfs selbst hergestellt. Für die Herstellung bestimmter Gegenstände und Artikel ging es aber nur schwer ohne Spezialisten, die Handwerker. Jeder Handwerker benötigte eine Konzession, für die er jährlich eine Gebühr von zwei Reichstalern zu zahlen hatte. Eine Gewerbefreiheit gab es nicht. Ein Schmiedeknecht aus Fleckeby konnte daher abgewiesen werden, "weil es schon genügend Schmieden gibt und weil er noch keinen Militärdienst geleistet hatte."

1860 hatte sich die Anzahl der Handwerker gegenüber 1803 nahezu verdreifacht. Nach Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1867 entstanden eine Mühle, eine Ziegelei, Meiereien, Kaufmannsläden und sogar eine Brennerei. Offenbar hat sich die Gewerbefreiheit auch für Fahrdorf im Verbund mit einer allgemeinen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung positiv ausgewirkt. Trotzdem gab es schon damals Arbeitsplatzprobleme.