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Erwachendes Nationalgefühl und seine Folgen

Seit dem Nordischen Krieg 1700-1721 war die Politik Dänemarks darauf bedacht, Schleswig-Holstein behutsam in den dänischen Staatsverband einzubinden. Die mit der dänischen Politik verfolgte Beschneidung der Rechte des schleswig-holsteinischen Adels, der traditionell deutsch gesonnen war, rief jedoch Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Gegenkräfte auf den Plan. In Emkendorf bei Rendsburg sammelte Graf Fritz Reventlow einen Kreis bedeutender Männer und Frauen um sich, der bestimmenden Einfluss auf die Geschicke des Landes nehmen sollte. Dieser "Emkendorfer Kreis", geprägt vom Geist der beginnenden Romantik, bildete historisch betrachtet den Ausgangspunkt für ein deutsches Nationalgefühl in den Herzogtümern. Das Festhalten des dänischen Königs an einem Bündnis mit Napoleon auch nach dessen Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 bewirkte den Einfall einer schwedisch-russisch-preußischen Armee von 57.000 Mann in Schleswig-Holstein. Die Einquartierungslasten, vor allem in dem strengen Winter 1813/14, sollte der Bevölkerung auch in Schleswig und Umgebung noch lange als "Kosakenwinter" in böser Erinnerung bleiben. Allein im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg (über Fahrdorf liegen keine Informationen vor) quartierten sich im Januar 1500 Kosaken ein Diese Ereignisse, aber auch Begleiterscheinungen wie Inflation und Währungsreform und nicht zuletzt liberales Gedankengut der Französischen Revolution, ließen in weiten Bevölkerungskreisen zunehmend Vorbehalte gegen "das Dänische" und den Wunsch nach einem eigenständigen, geeinten Schleswig-Holstein aufkommen. Noch wurde der dänische König aber allgemein verehrt, und häufig besuchte er Tochter und Schwiegersohn (Landgraf Carl) in Schleswig und Luisenlund. Der Sylter Uwe Jens Lornsen verlieh 1830 dem Wunsch nach einer gemeinsamen Verfassung in seiner Flugschrift "Über das Verfassungswerk in Schleswig-Holstein" vielbeachteten Ausdruck. Am 24. Juli 1844 erscholl auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest in Schleswig vor 12 000 Besuchern zum ersten Mal das Schleswig-Holstein-Lied. Auch wurde dort zum ersten Mal die blauweiß-rote Fahne in größerer Anzahl gezeigt und fand bei den staunenden Gästen begeisterte Anerkennung."

Diese Farben wurden zum einigenden Symbol aller Schleswig-Holsteiner. Schleswig entwickelte sich zum Zentrum nationaler deutscher Gesinnung. Mehrere Haddebyer Pastoren traten öffentlich für die deutsche Sache ein, wie man damals sagte, und gerieten so in Konflikt mit der dänischen Obrigkeit. Als der dänische König Friedrich VII. Anfang 1848 eine Gesamtstaatsverfassung unter Einschluss der Herzogtümer Holstein und Schleswig in Aussicht stellte, kam es zur Erhebung der Schleswig-Holsteiner. Dieser Konflikt steckte klarer als zuvor die Grenze schleswig-dänischer Gesinnung einerseits und schleswig-holsteinisch-deutscher Gesinnung andererseits ab. Sie äußerte sich u. a. in der Benutzung der dänischen bzw. deutschen Sprache. Während im nördlichen Angeln beide nebeneinander anzutreffen waren, gehörte die Gegend südlich der Schlei und damit auch Fahrdorf zum  deutschsprachigen Teil. Nach anfänglichen Erfolgen der Erhebung mit militärischer Unterstützung Preußens wurde 1850 die inzwischen auch auf sich selbst gestellte schleswig-holsteinische Armee bei Idstedt vor den Toren Schleswigs entscheidend geschlagen. Von den zahlreichen verlustreichen Kämpfen - auch in unmittelbarer Nähe (Selk, Busdorf, Danewerk) - wurde Fahrdorf zwar tangiert, aber nicht direkt betroffen.

Zu dieser Zeit bestand Fahrdorf nach Johannes von Schröder aus elf Hufen unterschiedlicher Größe, acht Kathen und sechs Instenstellen; Loopstedt aus fünf Hufen unterschiedlicher Größe, drei Kathen und einer lnstenstelle. Beide Orte lagen im Bereich des Amtes Gottorf und der Kropper Harde. Das Ackerland wurde mit "von ziemlicher Güte" bewertet. Nach der Erhebung blieb das Herzogtum Schleswig-Holstein unter dänischer Herrschaft. Die Anführer der Erhebung verließen überwiegend das Land, um sich der Verfolgung durch die dänische Obrigkeit zu entziehen. Als am 1. Januar 1864 eine Gesamtstaatsverfassung für Dänemark und das Herzogtum Schleswig in Kraft treten sollte, rückten Ende 1863 preußische und Österreichische Truppen im Auftrag des Deutschen Bundes in Schleswig-Holstein ein. Am Danewerk verschanzte sich die dänische Armee unter ihrem General de Meza. Damit trat auch Fahrdorf kurz in das Licht der weltpolitischen Ereignisse.

Kein geringerer als Theodor Fontane hat diese Tage und Stunden als Kriegsberichterstatter festgehalten. Nach der Besetzung Fahrdorfs am 3. Februar 1864 durch das österreichische Armee-Corps berichtet er über den 4. Februar:

"Erfolgreicher war die Kanonade auf dem rechten Flügel bei Fahrdorf. Hier führte General Thomas, etwa um 11 Uhr vormittags, eine  preußische 6pfündige und eine Österreichische 4pfündige Batterie ins Gefecht, deren vereintem Feuer es gelang, zuerst die Johanniskloster-Batterie und gegen 3 Uhr nachmittags endlich die Möweninsel-Batterie zum Schweigen zu bringen."

Bei diesem Gefecht wurde, wie man in Fahrdorf erzählt, der Schornstein des Rammsehen Abnahmehauses von einer dänischen Kanonenkugel getroffen. Sie befindet sich noch heute im Besitz der Familie. Fontane fährt in seinem Buch über das Gefecht fort: "So standen die Dinge am 5., als etwa gegen Mitternacht ein Offizier vor dem in Fahrdorf stehenden Infanterie-Regiment Coronini beim Feldmarschallieutenant mit der Meldung eintraf, es sei gegen 10 Uhr abends ein Parlamentair in Fahrdorf angekommen, der um Einstellung der Feindseligkeiten für den nächsten Morgen (den 6.) ersucht habe.

Als ein österreichischer Offizier die zustimmende Antwort des  Feldmarschalls von der Gablenz überbringen wollte, hatten die dänischen Truppen in aller Stille das als Verteidigungslinie gut ausgebaute Danewerk verlassen. So endete in der Nacht des 6. Februar 1864 für Fahrdorf die dänische Zeit.